Nachhaltigkeits-Influencer werden: wie du mit grünen Themen Geld verdienst, ohne in die Greenwashing-Falle zu tappen

Nachhaltigkeits-Influencer werden ohne große Reichweite: welche Marken zahlen, welche Videos sie buchen und welche Wörter seit dem 27.09.2026 tabu sind.

Von Lukas Renner · veröffentlicht am 3. November 2026 · 9 Min. Lesezeit · für Creator

Was zeigt Google, wenn man „Nachhaltigkeits-Influencer werden“ sucht?

Vor allem Lexikon-Einträge, Ranglisten bekannter Kanäle und Agenturseiten. Wir haben am 03.11.2026 zwei Suchen auf google.de ausgewertet, „nachhaltigkeits influencer werden“ und „greenfluencer werden“, und 13 Treffer im Volltext gelesen. Kein einziger erklärt UGC als Einstieg ohne Reichweite, keiner nennt die neue Rechtslage zu Umweltaussagen korrekt. Sechs der Treffer mit erkennbarem Datum stammen aus den Jahren 2018 bis 2024.

Was die Treffer zeigen (n = 13 gelesen, google.de, 03.11.2026)Anzahl
Lexikon-Einträge, Porträts und „Top-Greenfluencer“-Listen7
Agentur- und Anbieterseiten5
Mitmach-Projekt einer Berliner Initiative1
Erklären UGC-Videos als Weg ohne große Reichweite0
Nennen einen Euro-Betrag1 (100 bis 30.000 € je Post, ohne Quelle)
Nennen die EU-Richtlinie 2024/825 oder den Stichtag 27.09.20260

Ein Treffer erwähnt Regeln für Umweltaussagen, verweist aber auf die „Green Claims Directive“ als „ab 2026 voll in Kraft“. Das ist der falsche Rechtsakt: Der Vorschlag für die Green-Claims-Richtlinie steckt seit Juni 2025 fest. Was seit dem 27.09.2026 gilt, ist die Empowering-Consumers-Richtlinie, umgesetzt im deutschen Wettbewerbsrecht. Ein Reddit-Beitrag und eine Stellenseite wurden nicht mitgezählt.

Was macht ein Nachhaltigkeits-Creator eigentlich?

Er zeigt, wie ein nachhaltigeres Produkt im echten Alltag funktioniert — und belegt, was er sagt. Für Marken sind zwei Wege interessant: Beiträge auf deinem eigenen Kanal, wofür Reichweite zählt, und UGC-Videos, die die Marke selbst in Shop und Anzeigen nutzt. Für UGC brauchst du keine Follower, sondern Videos, die erklären statt schwärmen.

Greenfluencer (eigener Kanal)Nachhaltigkeits-UGC-Creator
Wer veröffentlicht?Du, auf Instagram oder TikTokDie Marke, im Shop oder als Anzeige
Was zählt?Reichweite, Glaubwürdigkeit über JahreErklärung, Bildqualität, saubere Aussagen
Typische BezahlungHonorar, oft Ware oder ProvisionHonorar je Video plus Nutzungsrechte
Einstieg ohne Follower möglich?kaumja

Wie der UGC-Weg grundsätzlich funktioniert, steht in UGC-Creator werden. Welche Nische du überhaupt wählen solltest, klärt UGC-Nische finden.

Welche Wörter sind seit dem 27. September 2026 in Werbung tabu?

Pauschale Umweltwörter ohne nachgewiesene Spitzenleistung. Die EU-Richtlinie 2024/825 nennt als Beispiele „umweltfreundlich“, „grün“, „ökologisch“, „klimafreundlich“ und „biologisch abbaubar“. Aussagen, ein Produkt sei dank CO₂-Ausgleich klimaneutral, sind ganz verboten. Deutschland hat das über eine Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb umgesetzt, anwendbar seit dem 27.09.2026.

Für dich als Creator heißt das: Wenn du in einem bezahlten Video sagst „super umweltfreundlich“, wiederholst du genau die Art Aussage, die jetzt abgemahnt werden kann — haften muss in erster Linie die Marke, unangenehm wird es für beide. Die Lösung ist einfach: konkret statt pauschal.

Statt …… lieber so (wenn die Marke es belegen kann)
„Total umweltfreundlich“„Die Verpackung ist zu 100 % aus Altpapier“
„Klimaneutral“„Hergestellt in Portugal, versendet ohne Plastik“
„Biologisch abbaubar“„Laut Hersteller in der Industrie-Kompostierung abbaubar, nicht im Garten“
„Grüne Marke“„Hat das EU-Ecolabel“ (nur, wenn es wirklich draufsteht)

Wie verbreitet das Problem war, zeigt eine Untersuchung der EU-Kommission: 53 Prozent der geprüften Umweltaussagen waren vage, irreführend oder unbegründet, 40 Prozent ohne jeden Beleg. Lass dir deshalb im Briefing schriftlich geben, welche Aussagen du machen darfst. Die Kennzeichnung als Werbung bleibt davon unberührt, Details in Werbung richtig kennzeichnen. *Rechtsstand November 2026, keine Rechtsberatung.*

Warum ist die neue Regel ein Vorteil für kleine Creator?

Weil Marken jetzt Creator brauchen, die präzise formulieren — und das kann man lernen, Reichweite nicht. Ein großer Kanal, der seit Jahren „nachhaltig“ und „grün“ sagt, wird für Marken zum Risiko. Wer im Bewerbungsvideo zeigt, dass er Herkunft, Material und Einschränkungen sauber benennt, hebt sich ab, auch mit 300 Followern.

Konkret kannst du das zeigen, indem du in deinem Portfolio ein Video hast, das ein nachhaltiges Produkt ohne ein einziges Pauschalwort vorstellt: Was ist es, woraus besteht es, was kann es nicht. Wie du ein solches Portfolio aufbaust, beschreibt UGC-Portfolio erstellen. Und im Anschreiben an eine Marke darfst du ruhig erwähnen, dass du die neuen Regeln kennst — das ist ein Satz, den sonst kaum jemand schreibt. Vorlagen stehen in Marke anschreiben als Creator.

Wie viel Konkurrenz gibt es im Creator Pool bei Nachhaltigkeit?

Sehr wenig — sichtbar ist praktisch niemand. Im öffentlichen Profil-Auszug der Kategorie Nachhaltigkeit führt am 03.11.2026 keines der 6 angezeigten Profile Nachhaltigkeit unter den angezeigten Branchen; alle zeigen Beauty, Mode, Food, Fitness, Familie oder Reise (Basis: 6 Profile, keine Zufallsstichprobe des Pools). Wer Nachhaltigkeit als erste Branche einträgt, steht dort ziemlich allein.

Die Kehrseite gehört zur ehrlichen Antwort: Gerade gibt es auch keine Ausschreibung aus der Branche. Von den 11 Ausschreibungen, die am 03.11.2026 im Creator Pool offen sind, setzen 8 auf Provision, 2 auf Ware im Wert von rund 69 und 100 Euro und 1 auf Honorar — keine stammt aus Nachhaltigkeit (Basis: Tagesstand auf /projekte, n = 11). Kommt eine Anfrage, bist du eine von wenigen. Neue Aufträge erscheinen unter UGC-Jobs Nachhaltigkeit und in der Gesamtliste der UGC-Jobs.

Welche Videos buchen nachhaltige Marken?

Videos, die einen konkreten Nutzen zeigen, statt ein gutes Gewissen zu versprechen. Typische Auftraggeber sind Zero-Waste-Shops, Öko-Mode, Bio-Kosmetik und Haushaltsprodukte zum Nachfüllen. Sie wollen sehen, ob ein Produkt im Alltag besteht, wie lange es hält und woher es kommt. Ein 60-Sekunden-Video mit Begründung schlägt hier ein 15-Sekunden-Video mit Musik.

FormatWas du zeigstWorauf du achtest
Ersatz für ein WegwerfproduktAlt gegen neu, im selben AlltagKeine Prozentangaben, die die Marke nicht belegt
LangzeittestDasselbe Produkt nach WochenEhrlich zeigen, was nachlässt
Material und HerkunftEtikett, Siegel, Verpackung im BildNur Siegel nennen, die wirklich draufstehen
AlltagstauglichkeitDas Produkt, wenn es schnell gehen mussEinschränkungen offen ansprechen

Die Formate sind dieselben, die der Creator Pool auf seiner Branchenseite für Nachhaltigkeit führt. Für ein Video, das die Marke in Anzeigen nutzt, gehören Nutzungsrechte dazu — wie lange und wofür, erklärt Nutzungsrechte bei UGC.

Lohnt sich Barter bei nachhaltigen Produkten?

Seltener als in anderen Branchen, denn nachhaltige Produkte sind oft langlebig und hochpreisig — eine Trinkflasche für 35 Euro behältst du jahrelang, ersetzt aber kein Honorar für einen Drehtag. Barter passt für ein erstes Portfoliovideo. Für Videos, die die Marke in Anzeigen schaltet, solltest du ein Honorar verlangen. Provision lohnt sich nur bei Abos und Nachfüllprodukten.

Bei Nachfüllprodukten ist Provision interessanter als sonst, weil Kundinnen wiederkommen — falls die Provision auch für Folgekäufe gilt. Frag genau das nach, bevor du zusagst. Wie du die drei Modelle gegeneinander abwägst und was du bei einem Gegenangebot schreibst, steht in Honorar, Barter oder Provision. Was ein Video kosten darf, zeigt UGC-Preise als Creator.

Als Nachhaltigkeits-Creator eintragen

Im Creator Pool legst du kostenlos ein Profil an und wählst Nachhaltigkeit als Branche. Marken sehen dein Portfolio, du bekommst passende Ausschreibungen per Mail und bewirbst dich mit deinem eigenen Preis. Wie die Gegenseite eine solche Bewerbung liest, beschreibt Nachhaltige Influencer finden.

FAQ

Häufige Fragen

Wie werde ich Nachhaltigkeits-Influencer ohne viele Follower?

Über UGC. Du drehst Videos, die die Marke selbst veröffentlicht, deshalb zählt deine Reichweite nicht. Ein Portfolio mit zwei, drei Videos zu nachhaltigen Produkten reicht für die ersten Bewerbungen.

Darf ich in einem Werbevideo noch „umweltfreundlich“ sagen?

In der Regel nicht, wenn die Marke keine anerkannte hervorragende Umweltleistung nachweisen kann. Seit dem 27.09.2026 gelten dafür strengere Regeln aus der EU-Richtlinie 2024/825. Sag lieber konkret, was stimmt. Stand November 2026, keine Rechtsberatung.

Was verdient ein Greenfluencer?

Belastbare deutsche Zahlen gibt es kaum. Die einzige Betragsangabe in den Suchtreffern vom 03.11.2026 lautet 100 bis 30.000 Euro je Post, ohne Quelle. Für UGC-Videos gelten die üblichen Spannen aus unserem Preis-Ratgeber.

Was ist der Unterschied zwischen Greenfluencer und Nachhaltigkeits-Creator?

Ein Greenfluencer veröffentlicht auf seinem eigenen Kanal und lebt von Reichweite. Ein Nachhaltigkeits-Creator im UGC-Sinn dreht Videos für die Marke. Viele machen beides, aber nur der zweite Weg funktioniert ab dem ersten Tag.

Muss ich nachhaltig leben, um Nachhaltigkeits-Creator zu sein?

Nicht perfekt, aber glaubwürdig. Diese Zielgruppe fragt in den Kommentaren nach. Wer zwischen Fast-Fashion-Hauls und Zero-Waste-Tipps wechselt, verliert genau hier Vertrauen — und Marken merken das am Portfolio.

Wer haftet, wenn ich im Video etwas Falsches über die Umwelt sage?

In erster Linie die Marke, weil es ihre Werbung ist. Trotzdem schadet es deinem Ruf. Lass dir die erlaubten Aussagen schriftlich im Briefing geben. Stand November 2026, keine Rechtsberatung.

Gibt es gerade Aufträge für Nachhaltigkeits-Creator?

Im Creator Pool war am 03.11.2026 keine der 11 offenen Ausschreibungen aus der Branche. Mit einem Profil wirst du benachrichtigt, sobald eine kommt — und hast dann wenig Konkurrenz.

Quellen

Über den Autor
Lukas Renner
Geschäftsführer [mediarenner] · Gründer Creator Pool

Lukas Renner führt die Social-Media-Agentur [mediarenner] und betreibt Creator Pool. Er verantwortet seit Jahren Werbekonten bei Meta, Google und LinkedIn für kleine und mittelständische Unternehmen und verhandelt laufend Kooperationen zwischen Marken und Creatorn.

Aufträge statt Theorie

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