UGC-Portfolio erstellen ohne einen einzigen Kunden

UGC-Portfolio erstellen ohne Auftrag: fünf komplett ausgeschriebene Skripte für Produkte aus deiner Wohnung, der Wochenplan dazu und die Fehler, die aussortieren.

Von Lukas Renner · veröffentlicht am 1. September 2026 · 11 Min. Lesezeit · für Creator

Wie viele Videos braucht ein UGC-Portfolio, bevor du dich bewirbst?

Drei bis sechs Videos reichen. Skill Sprinters nennt drei bis sechs Beispielvideos als Portfolio-Größe und an anderer Stelle fünf bis sieben selbst gedrehte Videos als realistischen Aufwand vor dem ersten bezahlten Auftrag. Mehr Videos verbessern die Aussichten kaum, weil eine Marke ohnehin nur die ersten zwei bis drei ansieht. Entscheidend ist nicht die Anzahl, sondern ob unter den ersten drei eines zur Anfrage passt.

Der Fachbegriff dafür lautet Spec-Video: ein Werbevideo, das du ohne Auftrag drehst, mit einem Produkt, das du selbst gekauft hast. Es ist keine Notlösung, sondern der übliche Einstieg. Marken bewerten daran genau das, was sie später kaufen — Bildqualität, Ton, Tempo, Sprechweise — und nicht, ob im Hintergrund eine Agentur stand.

Portfolio-StandWas du damit erreichstRealistischer Aufwand
1 VideoZu wenig. Eine Marke kann nicht einschätzen, ob es Zufall war1–2 Stunden
3 Videos, drei FormateBewerbungsfähig. Zeigt Bandbreite statt Glückstreffer5–7 Stunden
5 Videos, drei Formate, zwei BranchenSolide. Du kannst gezielt das passende voranstellen8–12 Stunden
10+ VideosKein Zusatznutzen, solange die ersten drei nicht sitzen

Wie groß deine Reichweite dabei ist, spielt für UGC keine Rolle: 50 Prozent aller Kooperationen in Deutschland gehen an Nano- und Micro-Creator, und 70 Prozent der Marken nennen es als größte Schwierigkeit, überhaupt passende Creator zu finden (*State of German Influencer Marketing Report 2026*, n = 520 Marktteilnehmer). Der Grundlagenüberblick steht auf unserer Seite UGC-Creator werden; den Ablauf für die allerersten Tage beschreibt der 14-Tage-Plan ohne Follower.

Was liefern die deutschen Ratgeber zum Thema — und was fehlt in allen?

Sie erklären den Aufbau eines Portfolios und hören genau dort auf, wo es schwierig wird: beim Inhalt der Videos. Wir haben die deutschsprachigen Ergebnisse geprüft, die Google am 01.09.2026 zu „UGC Portfolio erstellen" ausspielt. Jedes erklärt, welche Abschnitte ein Portfolio braucht. Kein einziges enthält ein ausgeschriebenes Videoskript. Man erfährt überall, wie die Mappe aussieht, nirgends, was in den Videos passiert.

ErgebnisWas es liefertWas fehlt
creating-ugc.comFünf Schritte von der Zweckdefinition bis zur BewerbungKein Skript; das Canva-Template ist kostenpflichtig über Etsy
metricool.comFormatbegriffe wie Talking-Head und Voice-overEnglischer Originaltext, keine Preise, keine Skripte, Stand April 2025
YouTube-AnleitungenGestaltung der Portfolio-Seite in CanvaLayout statt Inhalt — dieselbe Lücke wie oben
sevdesk.deGewerbe, Steuern, RechnungsstellungBeantwortet die Gründungsfrage, nicht die Produktionsfrage
skill-sprinters.deVerdienstspannen und Portfolio-Größe mit QuellenNennt die Anzahl der Videos, nicht deren Inhalt
Was diese Seite anders macht

Weiter unten stehen fünf vollständig ausgeschriebene Skripte — Hook im Wortlaut, Einstellungsliste, Sprechtext, Länge. Alle fünf drehst du mit Produkten, die in einem normalen Haushalt ohnehin stehen. Grundlage der Auswertung oben: die fünf deutschsprachigen Ergebnisse, die Google am 01.09.2026 zu diesem Suchbegriff ausspielt.

Fünf Skripte für Produkte, die du zu Hause hast

Diese fünf decken zusammen die drei Formate ab, die Marken am häufigsten einkaufen: Problem-Lösung, Routine und Testimonial. Drehe sie in dieser Reihenfolge — das erste ist das einfachste, das fünfte das anspruchsvollste. Alle Sprechtexte sind Vorschläge im Wortlaut; ändere sie so, dass sie nach dir klingen, aber behalte die Struktur bei.

#Produkt aus dem HaushaltFormatLängeWas die Marke daran prüft
1Handcreme oder BodylotionProblem-Lösung20 Sek.Hook in der ersten Sekunde
2Kaffee oder KaffeemaschineRoutine25 Sek.Schnittrhythmus, Bildruhe
3Spülmittel oder ReinigerVorher-Nachher15 Sek.Beweisaufnahme ohne Schnitttrick
4Vitamintabletten oder TeeUnboxing mit drei Fragen30 Sek.Sprechtempo, Verständlichkeit
5Trinkflasche oder ShakerTestimonial mit Einwand25 Sek.Glaubwürdigkeit, Umgang mit Kritik

Skript 1 · Handcreme, Problem-Lösung, 20 Sekunden

Hook (Sek. 0–2, Gesicht, gesprochen): „Meine Hände sahen nach jedem Winter aus wie Schmirgelpapier." Einstellung 2 (Sek. 2–6): Nahaufnahme der Hände, Tageslicht am Fenster. Einstellung 3 (Sek. 6–12): Produkt wird aufgeschraubt, Creme auf den Handrücken, langsame Bewegung. Sprechtext: „Ich brauche keine Kur und keine Handschuhe über Nacht. Zwei Pumpstöße nach dem Händewaschen, mehr mache ich nicht." Einstellung 4 (Sek. 12–18): Hände in Bewegung, Tastatur oder Türgriff. Abbinder (Sek. 18–20): Produkt frontal, gesprochen: „Seit drei Wochen im Bad, seitdem kein Thema mehr."

Skript 2 · Kaffee, Routine, 25 Sekunden

Hook (Sek. 0–2): „Sieben Uhr zwanzig, und ich habe genau vier Minuten." Einstellung 2 (Sek. 2–8): Wasser einfüllen, Deckel schließen — Ton mitlaufen lassen, das Geräusch trägt das Video. Einstellung 3 (Sek. 8–16): Tasse füllt sich, Kamera fest auf der Arbeitsplatte, kein Zoom. Sprechtext: „Ich habe früher unterwegs gekauft. Drei Euro fünfzig am Tag, jeden Tag. Das hier dauert vier Minuten und schmeckt besser." Einstellung 4 (Sek. 16–22): Tasse in der Hand, Blick aus dem Fenster. Abbinder (Sek. 22–25): „Seit Februar keinen Coffee to go mehr gekauft."

Skript 3 · Reiniger, Vorher-Nachher, 15 Sekunden

Hook (Sek. 0–2, kein Gesicht): Nahaufnahme der verschmutzten Stelle, gesprochen: „Das ist eingebrannt, nicht dreckig." Einstellung 2 (Sek. 2–4): Produkt kommt ins Bild, wird aufgesprüht. Einstellung 3 (Sek. 4–11): Eine einzige durchgehende Einstellung beim Wischen, kein Schnitt. Genau darauf achten Marken. Sprechtext: „Einmal drüber, nicht einweichen lassen, nicht schrubben." Abbinder (Sek. 11–15): Ergebnis, gleiche Kameraposition wie zu Beginn.

Skript 4 · Vitamintabletten, Unboxing mit drei Fragen, 30 Sekunden

Hook (Sek. 0–3): „Drei Fragen, die ich hatte, bevor ich das bestellt habe." Einstellung 2 (Sek. 3–10): Paket öffnen, Dose ins Bild, Frage 1 eingeblendet: „Wie schmeckt das?" Sprechtext: „Nach Zitrone, nicht nach Apotheke." Einstellung 3 (Sek. 10–20): Frage 2: „Wie oft am Tag?" — Tablette ins Glas, Wasser dazu, Ton mitlaufen lassen. Einstellung 4 (Sek. 20–27): Frage 3: „Was kostet das im Monat?" — Antwort mit einer konkreten Zahl. Abbinder (Sek. 27–30): Glas in der Hand, ohne Schlusssatz. Das Video darf offen enden.

Skript 5 · Trinkflasche, Testimonial mit Einwand, 25 Sekunden

Hook (Sek. 0–3, direkt in die Kamera): „Ich fand die zu teuer. Ehrlich." Einstellung 2 (Sek. 3–10): Flasche in der Hand, Deckel auf und zu. Sprechtext: „Vierzig Euro für eine Flasche. Ich habe vorher drei billige gehabt, alle drei undicht in der Tasche." Einstellung 3 (Sek. 10–18): Flasche liegt quer in einer Tasche, Schwenk auf trockene Unterlagen. Abbinder (Sek. 18–25): Gesicht, gesprochen: „Das war der Punkt, an dem sich das gerechnet hat."

Der Einwand in Skript 5 ist der Grund, warum dieses Video im Portfolio ganz vorne stehen sollte: Es zeigt, dass du eine Marke auch dann glaubwürdig darstellen kannst, wenn der Preis ein Thema ist. Genau dafür kaufen Marken UGC ein, und genau das können die meisten Bewerbungsvideos nicht.

Wie drehst du die fünf Videos in einer Woche?

An fünf Tagen je ein Video, mit einem festen Zeitfenster von neunzig Minuten. Der häufigste Fehler ist, alle fünf an einem Nachmittag durchzuziehen: Licht, Kleidung und Stimme sind dann in allen Videos identisch, und die Mappe wirkt wie ein einziger Dreh. Verteilte Aufnahmen sehen nach Alltag aus — das ist bei UGC der ganze Punkt.

TagAufgabeZeitbedarf
MontagSkript 1 drehen und schneiden90 Min.
DienstagSkript 3 (kürzestes, gutes Warmlaufen)60 Min.
MittwochSkript 2, morgens bei Tageslicht90 Min.
DonnerstagSkript 4, Paket vorher bereitlegen90 Min.
FreitagSkript 5, danach alle fünf sichten und sortieren120 Min.
SamstagPortfolio-Seite anlegen, Videos einbetten60 Min.

Ausrüstung: Telefon, Fensterlicht, eine Unterlage, auf der das Telefon nicht wackelt. Kein Mikrofon, kein Ringlicht, keine Kamera. Wenn der Ton hallt, drehe näher an Textilien — Vorhang, Sofa, Bett im Rücken. Das ersetzt ein Mikrofon in fast allen Wohnungen.

Wohin mit dem fertigen Portfolio — Website, PDF oder Profil?

Für den Anfang genügt ein Ordner-Link mit fünf Videos und einer Textzeile je Video. Eine eigene Website lohnt erst, wenn regelmäßig Anfragen kommen. Wichtig ist nur, dass der Link ohne Anmeldung und auf dem Telefon funktioniert — die Person, die ihn öffnet, sitzt selten am Rechner und hat selten Geduld für einen Download.

AblageortWann sinnvollNachteil
Geteilter Cloud-OrdnerSofort, kostenlos, in zehn Minuten fertigSieht schlicht aus, keine Reihenfolge erzwingbar
PDF mit Standbildern und LinksWenn du Marken direkt anschreibstVideos laufen nicht im Dokument
Eigene UnterseiteAb etwa fünf Anfragen im MonatMuss gepflegt werden, kostet Zeit
Profil auf einer Creator-PlattformWenn Marken dich finden sollenSichtbarkeit nur innerhalb der Plattform
Instagram-Kanal als PortfolioNie als einziger WegVermischt private Beiträge mit Arbeitsproben

Die Zahlen, die neben den Videos stehen sollten, und ein vollständig ausgefülltes Muster findest du unter Media Kit erstellen. Die Nachricht, mit der du das Portfolio verschickst, steht in Marke anschreiben als Creator — das Portfolio ist der Anhang, nicht die Nachricht.

Woran erkennt eine Marke ein schwaches Portfolio?

An drei Dingen, und sie fallen alle in den ersten fünf Sekunden auf: schlechter Ton, unruhiges Bild und ein Anfang ohne Aussage. In der Auswahl für Kampagnen bei [mediarenner] entscheidet praktisch nie die Bildschärfe, sondern ob der erste Satz eine Behauptung enthält. Videos, die mit „Hey Leute" beginnen, werden weggeklickt, bevor das Produkt überhaupt im Bild war.

Was sonst noch aussortiert: fünf Videos zum selben Produkttyp, Musik lauter als die Stimme, Querformat, sichtbare Wasserzeichen anderer Apps und Skripte, die eine Wirkung behaupten, die das Produkt nicht hat. Der letzte Punkt ist nicht nur ein Geschmacksfrage — bei Aussagen zu Gesundheit oder Wirkung haftet am Ende die Marke, und niemand kauft dieses Risiko ein.

Spec-Videos und die Kennzeichnungspflicht

Ein Spec-Video, das du nicht veröffentlichst, sondern nur als Arbeitsprobe verschickst, ist keine Werbung im Sinne der Kennzeichnungsvorschriften. Postest du es auf deinem eigenen Kanal, gilt die übliche Regel: Nur „Werbung" und „Anzeige" sind von den Medienanstalten uneingeschränkt anerkannt, „Sponsored by", „Kooperation" oder „Ad" nicht. Wenn keine Gegenleistung geflossen ist, liegt in der Regel keine Kennzeichnungspflicht vor — im Zweifel kennzeichnen. Rechtsstand: 01.09.2026, keine Rechtsberatung. Ausführlich in unserem Ratgeber Werbung richtig kennzeichnen.

Was darfst du mit diesem Portfolio verlangen?

Am Anfang 50 bis 200 Euro je Video, mit Erfahrung 200 bis 500 Euro, als Profi 500 bis über 1.000 Euro — so fasst Skill Sprinters die deutschen Marktspannen zusammen (Stand 25.04.2026). Ein Portfolio aus fünf Spec-Videos setzt dich zuverlässig in die erste Stufe. Nutzungsrechte rechnest du dabei immer getrennt ab, sonst verschenkst du den Teil, der später das Geld bringt.

StufeWas dahinterstehtSpanne je Video
Einstieg3–6 Spec-Videos, keine bezahlten Aufträge50–200 €
FortgeschrittenMehrere abgeschlossene Aufträge, feste Lieferzeit200–500 €
ProfiWiederkehrende Kunden, Skripte und Schnitt aus einer Hand500–1.000 € und mehr
Festes PaketMehrere Videos im Monat für dieselbe Marke1.500–5.000 € im Monat

Wichtig bei der ersten Anfrage: Nenne eine Spanne und die Lieferzeit, nicht nur eine Zahl. Marktübliche Größenordnungen für den gesamten deutschsprachigen Raum stehen in Was kostet ein Influencer-Post?, und ab welcher Größe Marken überhaupt von selbst anfragen, ist in Ab wie vielen Followern bekommt man Kooperationen? aufgeschlüsselt.

Der Weg ohne eigenes Anschreiben

Fünf Videos in einem Ordner sind die Voraussetzung dafür, dass jemand dich buchen kann. Damit Marken dich von sich aus finden, brauchst du zusätzlich ein auffindbares Profil: Im Creator Pool suchen Marken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Nische, Ort und Größe. Für Creator ist die Aufnahme kostenlos.

FAQ

Häufige Fragen

Darf ich Produkte von Marken filmen, für die ich nicht arbeite?

Ja. Du zeigst ein Produkt, das du gekauft hast, und äußerst deine Meinung dazu. Grenzen gibt es bei Logos in Nahaufnahme in Verbindung mit falschen Wirkversprechen und bei Aussagen, die den Anschein einer offiziellen Zusammenarbeit erwecken. Schreibe im Portfolio dazu, dass es sich um ein Spec-Video handelt.

Wie lang sollte ein UGC-Video sein?

15 bis 30 Sekunden. Alle fünf Skripte oben liegen in diesem Bereich. Längere Videos werden von Marken eher zerschnitten als eingesetzt, und der Schnitt kostet sie Zeit, die sie eingespart haben wollten.

Brauche ich ein Gewerbe, bevor ich das erste Video verkaufe?

Für die reine Erstellung des Portfolios nicht. Sobald du Rechnungen schreibst, wird es zur Gewerbefrage — dazu ist der sevdesk-Ratgeber ein brauchbarer Einstieg, die verbindliche Antwort gibt dein Finanzamt oder eine Steuerberatung.

Was mache ich, wenn ich mich vor der Kamera unwohl fühle?

Drehe zuerst Skript 3. Dort kommt kein Gesicht vor, nur Hände und Produkt. Zwei der fünf Videos funktionieren ganz ohne Gesicht — das reicht für eine erste Bewerbung bei Marken, die reines Produktmaterial suchen.

Muss ich die Videos auf meinem eigenen Kanal veröffentlichen?

Nein. Ein Portfolio ist eine Mappe, kein Kanal. Viele UGC-Creator veröffentlichen ihre Arbeitsproben nie öffentlich, weil die Marke das Material exklusiv einsetzen will.

Wie oft sollte ich das Portfolio austauschen?

Alle drei bis vier Monate ein Video ersetzen, immer das schwächste. Ein Portfolio, dessen Videos erkennbar zwei Jahre alt sind, wirkt wie ein Account, der nicht mehr arbeitet.

Reicht ein Telefon wirklich, oder brauche ich eine Kamera?

Ein Telefon reicht für alle fünf Skripte. Marken kaufen bei UGC bewusst den Alltagslook ein. Eine Spiegelreflexaufnahme sieht nach Werbefilm aus und passt damit gerade nicht zum Format.

Was schreibe ich zu jedem Video dazu?

Eine Zeile: Produkt, Format, Länge. Zum Beispiel „Handcreme · Problem-Lösung · 20 Sek." Mehr Text liest niemand, weniger lässt die Marke raten, was sie gerade sieht.

Quellen

Über den Autor
Lukas Renner
Geschäftsführer [mediarenner] · Gründer Creator Pool

Lukas Renner führt die Social-Media-Agentur [mediarenner] und betreibt Creator Pool. Er verantwortet seit Jahren Werbekonten bei Meta, Google und LinkedIn für kleine und mittelständische Unternehmen und verhandelt laufend Kooperationen zwischen Marken und Creatorn.

Aufträge statt Theorie

Im Creator Pool suchen Marken aus DACH nach Nano- und Mikro-Creatorn. Ein Profil anzulegen kostet dich nichts – und bleibt kostenlos.