Für Creator

UGC-Creator werden

UGC-Creator produzieren Videos für Marken – veröffentlicht wird auf den Kanälen der Marke, nicht auf deinem. Deshalb brauchst du keine Reichweite, sondern brauchbares Material und Verlässlichkeit. Hier steht der ganze Weg: Ausrüstung, Portfolio ohne Auftraggeber, Preise, wo du Marken findest und was du bei Gewerbe und Steuern beachten musst.

Was ein UGC-Creator macht – und was nicht

UGC-CreatorInfluencer
Wo erscheint der Contentauf den Kanälen der Marke, in Anzeigenauf dem eigenen Kanal
Wofür wirst du bezahltfür die Produktionfür deine Reichweite
Follower nötigneinja, das ist die Ware
Einstiegshürdeniedrighoch, dauert Monate bis Jahre
Verdienst je Auftrag60 – 350 €abhängig von der Followerzahl
Planbarkeithoch: fester Preis je Videoschwankend
Beides geht auch gleichzeitig
Viele fangen mit UGC an und bauen nebenbei den eigenen Kanal auf. Sobald dort Reichweite entsteht, kannst du zusätzlich bezahlte Beiträge auf deinem Profil anbieten – und verlangst dann für beides getrennt.

Ausrüstung: weniger, als du denkst

UGC soll nicht aussehen wie Fernsehwerbung. Genau der alltägliche Look ist der Grund, warum Marken es kaufen. Teure Technik ist deshalb kein Vorteil – schlechter Ton dagegen ist ein Ausschlusskriterium.

WasKostenPriorität
Smartphone der letzten Jahrehast duPflicht
Ansteckmikrofon20 – 40 €Pflicht – Ton ist wichtiger als Bild
Fenster mit Tageslicht0 €Pflicht
Stativ mit Handyhalterung15 – 30 €sehr sinnvoll
Ringlicht oder Softbox30 – 60 €sinnvoll, sobald du abends drehst
Schnitt-App (CapCut o. ä.)0 €reicht vollständig
Kamera, Objektive, Studioab 800 €brauchst du nicht

Unter 100 € bist du vollständig ausgestattet. Investiere lieber Zeit in die ersten zwanzig Versuche vor der Kamera als Geld in Technik.

Portfolio aufbauen, ohne je einen Auftrag gehabt zu haben

Das größte Henne-Ei-Problem am Anfang: Marken wollen Beispiele sehen, aber Beispiele entstehen erst durch Aufträge. Die Lösung sind Beispielvideos in Eigenregie – du drehst für ein Produkt, das du besitzt, so als wärst du beauftragt worden.

SchrittWas du tustZeitaufwand
1Drei Produkte wählen, die du wirklich nutzt – am besten aus einer Nische30 Min.
2Je ein kurzes Skript schreiben: Hook, Problem, Produkt, Ergebnis1 Std.
3Drehen: hochkant 9:16, 15–30 Sekunden, gutes Licht, Ansteckmikroje 45 Min.
4Schneiden, Untertitel setzen, Musik nur lizenzfreije 45 Min.
5Drei verschiedene Stile zeigen: Anwendung, Auspacken, ehrliche Meinung
6In einem Ordner sammeln, Link teilbar machen15 Min.
Ehrlich bleiben
Beispielvideos sind völlig üblich und niemand nimmt dir das übel. Was dir schadet: sie als bezahlten Auftrag auszugeben. Schreib einfach „Beispielvideo, keine Auftragsarbeit“ dazu.

Was du verlangen kannst

ErfahrungPreis je VideoWas enthalten ist
Erste Aufträge60 – 120 €1 Video, 1 Korrekturschleife
Ab ca. 5 Aufträgen120 – 200 €1 Video + 2 Hook-Varianten
Eingespielt, feste Kunden180 – 350 €Video, Varianten, Fotos als Zugabe
Paket: 3 Videos250 – 600 €Mengenrabatt ist üblich
Aufschlag Werberechte+ 30 – 100 %wenn die Marke in Anzeigen schaltet

Der wichtigste Posten ist der letzte: Wenn deine Videos als bezahlte Anzeige laufen, ist das eine zusätzliche Leistung und wird zusätzlich vergütet. Die vollständigen Spannen stehen im Ratgeber Was kostet ein Influencer-Post?

Vorsicht bei „nur gegen Produkt“
Für den allerersten Auftrag kann das in Ordnung sein. Wird es zur Regel, arbeitest du dauerhaft unter Wert – und drückst den Marktpreis für alle anderen mit. Ein Kompromiss: kleines Honorar plus Produkt.

Wo du Marken findest

WegAufwandErfolgsaussicht
Creator-Plattformeinmalig Profil anlegengut – Marken suchen dort gezielt nach Nische und Preis
Direkt anschreibenhoch, viele Nachrichten nötigmittel – funktioniert mit gutem Portfolio und konkretem Vorschlag
Eigenes Profil als Schaufensterlaufendmittel – Marken finden dich, wenn du sichtbar UGC machst
Agenturen ansprechenmittelgut bei laufendem Bedarf, aber geringere Honorare
Freelancer-Portalemittelgering im deutschsprachigen Raum, starker Preisdruck

Auf Creator Pool legst du ein Profil mit Preisen, Portfolio und Vorstellungsvideo an, verbindest deine Kanäle zur Bestätigung und bewirbst dich auf offene Aufträge mit eigenem Preisvorschlag. Für Creator ist das dauerhaft kostenlos – vom Honorar geht nichts ab.

Die Bewerbung, die beantwortet wird

ElementSchlechtGut
Einstieg„Hallo, ich hätte Interesse“„Ich mache UGC für Beauty, hier 3 Beispiele“
BeispieleLink zum Instagram-Profildirekt abspielbare Videos, passend zur Branche
Preis„Was zahlt ihr?“„180 € je Video inkl. 2 Hooks, 1 Korrekturschleife“
Lieferzeitkeine Angabe„Lieferung 7 Tage nach Produkteingang“
Bezug zur MarkeTextbausteinein Satz zum konkreten Produkt und eine Idee dazu

Eine konkrete Idee im ersten Satz schlägt jede Selbstbeschreibung. Marken kaufen keine Lebensläufe, sondern Vorstellungen davon, wie ihr Produkt aussehen könnte.

Gewerbe, Steuern, Rechnungen – die nüchterne Seite

Sobald du regelmäßig gegen Bezahlung produzierst, bist du selbstständig tätig. Das ist kein Drama, aber es gehört erledigt, bevor die erste Rechnung rausgeht.

ThemaWas üblicherweise giltWann
Gewerbeanmeldungbeim Gewerbeamt der eigenen Stadt, meist 20 – 60 €vor dem ersten bezahlten Auftrag
SteuernummerFragebogen zur steuerlichen Erfassung beim Finanzamt (über ELSTER)direkt nach der Anmeldung
KleinunternehmerregelungRechnungen ohne Umsatzsteuer, Hinweis auf § 19 UStG; nur unterhalb der gesetzlichen Umsatzgrenzenbei der Anmeldung wählen
RechnungsangabenName und Anschrift beider Seiten, Datum, fortlaufende Nummer, Leistung, Betrag, Steuernummerje Rechnung
Gratis-Produktegelten als Einnahme in Höhe des Warenwerts – mit Datum und Wert notierenlaufend
Belege aufbewahrenRechnungen und Nachweise geordnet sichernüber die gesetzlichen Fristen
Nebenberuflich?Arbeitsvertrag prüfen, ob eine Nebentätigkeit gemeldet werden mussvor dem Start

Stand: August 2026. Das ist eine allgemeine Orientierung für Deutschland und weder Rechts- noch Steuerberatung. Grenzwerte und Pflichten ändern sich; für Österreich und die Schweiz gelten eigene Regeln. Kläre deinen Fall mit einer Steuerberatung – ein einmaliges Erstgespräch kostet wenig und spart im Zweifel viel.

So läuft dein erster Auftrag ab

SchrittWas passiertWorauf du achtest
1. AnfrageMarke schreibt dich an oder du bewirbst dichLeistung und Preis schriftlich festhalten
2. Briefingdu bekommst Vorgaben zu Hook, Botschaft, Formatunklare Punkte sofort nachfragen
3. Produktwird dir zugeschicktEingang bestätigen, Termine laufen ab hier
4. DrehVideo produzieren, mehrere Hooks mitdrehenRohmaterial behalten, bis alles freigegeben ist
5. LieferungDatei übergeben, Rückmeldung abwarteneine Korrekturschleife ist normal
6. Rechnungnach Freigabe stellenZahlungsziel 14 Tage ist üblich

Was vor dem Start geklärt sein sollte – Leistungen, Termine, Nutzungsrechte, Korrekturschleifen, Zahlung – steht vollständig in der Kooperations-Checkliste. Sie ist für beide Seiten geschrieben und schützt vor allem dich.

Fünf Anfängerfehler

  1. Ohne Portfolio bewerben. Drei Beispielvideos schlagen jede noch so freundliche Nachricht.
  2. Schlechter Ton. Verwackeltes Bild verzeiht jeder, hallige Sprache niemand. Das Mikro für 25 € ist die beste Investition überhaupt.
  3. Nutzungsrechte verschenken. Wenn deine Videos als Anzeige laufen, ist das eine eigene Leistung – lass sie dir bezahlen.
  4. Dauerhaft für Produkte arbeiten. Einmal zum Einstieg ist in Ordnung, als Dauerzustand arbeitest du unter Wert.
  5. Kennzeichnung ignorieren. Sobald du selbst etwas postest, wofür du eine Gegenleistung bekommen hast, gilt die Kennzeichnungspflicht – siehe Werbekennzeichnung.

In dieser Reihenfolge anfangen

  1. Mikrofon bestellen, Platz am Fenster einrichten.
  2. Nische festlegen – lieber Beauty oder Food als „alles“.
  3. Drei Beispielvideos drehen und schneiden.
  4. Profil anlegen, Preise hinterlegen, Kanäle verbinden.
  5. Auf offene Aufträge bewerben und parallel fünf Marken direkt anschreiben.
  6. Gewerbe anmelden, sobald der erste Auftrag steht.

Was Marken auf der anderen Seite erwarten und wonach sie auswählen, steht unter UGC-Creator finden – lies es ruhig, es ist die beste Vorbereitung auf deine Bewerbung.

FAQ

Häufige Fragen

Brauche ich Follower, um UGC-Creator zu werden?

Nein. Du veröffentlichst die Videos nicht auf deinem Kanal, sondern lieferst sie an die Marke. Entscheidend sind Bild- und Tonqualität, eine natürliche Sprechweise und Verlässlichkeit. Viele erfolgreiche UGC-Creator haben unter 1.000 Follower.

Welche Ausrüstung brauche ich am Anfang?

Ein aktuelles Smartphone, Tageslicht am Fenster und ein einfaches Ansteckmikrofon für rund 20 bis 40 €. Das reicht für die ersten bezahlten Aufträge. Ein Ringlicht und ein Stativ sind die sinnvollsten nächsten Anschaffungen, zusammen etwa 50 €.

Wie baue ich ein Portfolio auf, wenn ich noch keine Aufträge hatte?

Mit Beispielvideos für Produkte, die du ohnehin besitzt. Du drehst so, als hätte dich die Marke beauftragt – ohne Auftrag und ohne Bezahlung, nur fürs Portfolio. Drei solcher Videos in unterschiedlichen Stilen reichen für die erste Bewerbung. Wichtig: nicht behaupten, es sei ein echter Auftrag gewesen.

Was kann ich als Anfänger verlangen?

Üblich sind 60 bis 120 € für das erste Video. Nach etwa fünf gelieferten Aufträgen mit guten Rückmeldungen sind 120 bis 200 € realistisch. Arbeite nicht dauerhaft gegen reine Produktvergütung – ein Produkt bezahlt keine Miete und drückt den Marktpreis für alle.

Brauche ich ein Gewerbe?

In der Regel ja: Wer regelmäßig und mit Gewinnabsicht Videos gegen Bezahlung produziert, betreibt ein Gewerbe und meldet es beim Gewerbeamt an. Die Anmeldung kostet meist zwischen 20 und 60 €. Das ist eine allgemeine Einordnung, keine Rechts- oder Steuerberatung – frag im Zweifel eine Steuerberatung.

Muss ich Umsatzsteuer ausweisen?

Nicht zwingend. Wer die Kleinunternehmerregelung nutzt, stellt Rechnungen ohne Umsatzsteuer und weist auf § 19 UStG hin. Voraussetzung sind Umsätze unterhalb der gesetzlichen Grenzen. Prüfe die aktuellen Beträge und deine persönliche Situation mit einer Steuerberatung, bevor du die erste Rechnung schreibst.

Zählen kostenlose Produkte als Einnahme?

Ja, ein Produkt, das du für deine Leistung behalten darfst, ist steuerlich eine Einnahme in Höhe seines Werts. Notiere solche Fälle mit Datum, Marke und Warenwert – das erspart dir später Rückfragen.

Wie lange dauert es bis zum ersten bezahlten Auftrag?

Mit einem ordentlichen Portfolio und aktiver Bewerbung meist zwei bis sechs Wochen. Der häufigste Grund für lange Wartezeiten ist kein fehlendes Talent, sondern ein fehlendes Portfolio: Ohne Beispielvideos kann niemand einschätzen, was er bekommt.

Loslegen kostet nichts

Creator Pool ist für Creator dauerhaft kostenlos – keine Gebühr, keine Provision. Leg ein Profil an, hinterlege deine Preise und werde von Marken gefunden.