Lohnt sich UGC als Creator?

Lohnt sich UGC als Creator? Honorar geteilt durch Arbeitszeit, gerechnet gegen den Mindestlohn 2026 — mit Untergrenze pro Video und den Fällen, in denen es nicht aufgeht.

Von Lukas Renner · veröffentlicht am 2. September 2026 · 11 Min. Lesezeit · für Creator

Lohnt sich UGC als Creator — kurz gerechnet?

Ab etwa 70 Euro pro Video, alles darunter rechnet sich für Einsteiger meistens nicht. Ein fertiges UGC-Video kostet nach Angaben mehrerer deutscher Ratgeber vier bis acht Stunden. Bei 30 Euro Honorar und fünf Stunden Arbeit bleiben 6 Euro pro Stunde — vor Steuern, vor Sozialabgaben und ohne die Produkte, die man teilweise selbst kauft. Der gesetzliche Mindestlohn liegt seit dem 1. Januar 2026 bei 13,90 Euro.

Das ist die Rechnung, die in fast keinem deutschen Ratgeber zu diesem Thema steht. Wir haben für diese Seite 15 deutschsprachige Seiten geprüft, die Google zu „lohnt sich ugc creator" und „wie viel verdient man als ugc creator" ausspielt: Nur drei davon teilen das Honorar überhaupt durch die Arbeitszeit. Alle anderen nennen Honorarspannen — 50 bis 200 Euro, 100 bis 500 Euro — und lassen die Stundenfrage offen. Zwölf der fünfzehn Seiten sind durchweg positiv, und die meisten davon verkaufen Kurse, Weiterbildungen oder Vermittlung.

Wer hier rechnet, und warum das offengelegt gehört

Creator Pool ist selbst eine Plattform, auf der Marken Creator buchen. Wir haben also ein Interesse daran, dass Menschen UGC machen. Genau deshalb steht die Rechnung hier vollständig da, auch die Zeilen, in denen sie negativ ausgeht. Alle Honorarangaben stammen aus öffentlich einsehbaren Quellen mit Datum, nicht aus unserer eigenen Datenbank.

Wie viele Stunden stecken wirklich in einem UGC-Video?

Vier bis acht Stunden, je nach Anzahl der Korrekturschleifen. Diese Spanne ist der einzige Wert, der sich über mehrere unabhängige deutsche Quellen decken lässt: Fortoga nennt „mindestens vier Stunden", Skill Sprinters rechnet mit vier bis sieben Stunden Produktion, ein Kalkulationsbeispiel von Flintery legt fünf Stunden zugrunde. Die reine Drehzeit ist dabei der kleinste Block.

Allein für eine einfache Kooperation solltest du mindestens vier Stunden einplanen. … Wenn du nur den Mindestlohn berechnest, sollte dein Video schon mindestens 50 € kosten – hier kommen noch Steuern und Abgaben drauf.
Fortoga, Buyout-Guide für UGC-Creator, abgerufen am 02.09.2026

Der Satz ist richtig gerechnet — aber mit einem veralteten Mindestlohn. Mit 13,90 Euro sind aus den „mindestens 50 €" inzwischen 55,60 Euro geworden. Wie sich die vier bis acht Stunden verteilen, gibt keine der Quellen an. Die folgende Aufteilung ist ein Erfahrungswert aus der Kampagnenbetreuung von [mediarenner], keine erhobene Zahl:

ArbeitsschrittZeit (Erfahrungswert)Wird bezahlt?
Briefing lesen, Rückfragen klären0,5–1 Std.im Honorar enthalten
Skript und Einstellungen planen1–1,5 Std.im Honorar enthalten
Aufbau, Licht, Dreh1–2 Std.im Honorar enthalten
Schnitt, Untertitel, Export1,5–2,5 Std.im Honorar enthalten
Korrekturschleifen0,5–2 Std.meist eine inklusive, weitere selten vergütet
Rechnung, Ablage, Buchhaltung0,25 Std.nie
Summe4,75–9,25 Std.

Was bleibt pro Stunde übrig?

Bei den Honoraren, die deutsche Plattformen und Ratgeber nennen, zwischen 3,75 und 125 Euro pro Stunde — die Spanne ist also größer als die Honorarspanne selbst. Entscheidend ist nicht der Preis pro Video, sondern der Preis geteilt durch die Stunden. Die folgende Tabelle rechnet die belegten Honorarstufen gegen die belegte Zeitspanne. Alles unter der Linie liegt unter dem Mindestlohn.

Honorar pro Video4 Stunden5 Stunden8 Stunden
30 € (Plattform-Untergrenze, Speekly)7,50 €/Std.6,00 €/Std.3,75 €/Std.
50 € (Einstieg, sevdesk)12,50 €/Std.10,00 €/Std.6,25 €/Std.
100 € (Einsteiger-Empfehlung, Fortoga)25,00 €/Std.20,00 €/Std.12,50 €/Std.
200 € (oberes Einsteigerband, sevdesk)50,00 €/Std.40,00 €/Std.25,00 €/Std.
500 € (Ausnahme, creationell)125,00 €/Std.100,00 €/Std.62,50 €/Std.
Mindestlohn 2026: 13,90 €/Std.ab 55,60 €ab 69,50 €ab 111,20 €

Zwei Zeilen dieser Tabelle sind der ganze Artikel. Bei 30 bis 50 Euro pro Video arbeitest du in jeder Zeitvariante unter Mindestlohn. Ab 100 Euro trägt es sich, solange du unter fünf Stunden bleibst. Und der Vergleichsmaßstab für Selbstständige ist eigentlich ein anderer: Der Freelancer-Kompass 2026 weist für deutsche Freelancer einen durchschnittlichen Stundensatz von 103 Euro aus — aus dem Urlaub, Krankheit, Akquise und Altersvorsorge bezahlt werden müssen.

Gilt der Mindestlohn für UGC-Creator überhaupt?

Nein, rechtlich nicht. Der gesetzliche Mindestlohn gilt für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, nicht für Selbstständige — und als UGC-Creator arbeitest du selbstständig. Er ist hier ein Vergleichsmaßstab, keine Untergrenze, die jemand für dich durchsetzt. Genau deshalb ist er nützlich: Er sagt dir, wo die Grenze liegt, unterhalb derer sich Arbeit in Deutschland grundsätzlich nicht mehr lohnt.

Die Höhe steht in der Fünften Mindestlohnanpassungsverordnung: 13,90 Euro brutto je Zeitstunde seit dem 1. Januar 2026, 14,60 Euro ab dem 1. Januar 2027. Wer diese Sätze als Selbstständiger ansetzt, rechnet außerdem zu knapp — Steuern, Kranken- und Rentenversicherung kommen bei dir noch heraus, beim Arbeitnehmer nicht. Rechtsstand: 02.09.2026. Das ist keine Rechts- oder Steuerberatung; verbindlich antworten dein Finanzamt oder eine Steuerberatung.

Warum widersprechen sich die Zahlen im Netz so stark?

Weil Ratgeber Wunschpreise nennen und Plattformen Festpreise zahlen. Die Ratgeber sprechen von 100 bis 300 Euro für Einsteiger, die Plattformen beginnen bei 30 Euro. Beides steht nebeneinander, ohne dass jemand die Lücke erklärt. Wie unscharf es zugeht, zeigt eine einzelne Seite: Auf der Creator-Seite von Speekly stehen am selben Tag zwei verschiedene Mindestbeträge.

QuelleAngabe zum MindesthonorarAbgerufen
speekly.de/creator, Abschnitt 1„Der Mindestbetrag pro Auftrag startet bei 50€" (15 Sek., ohne Extras, Basic-Level)02.09.2026
speekly.de/creator, Abschnitt 2„Der Mindestbetrag, den du für einen Auftrag erhalten kannst, sind 30 €" (15 Sek., ohne Extras)02.09.2026
sevdesk-Ratgeber50–200 € für Einsteiger02.09.2026
creationell (Markensicht, Einkaufspreis)100–500 € pro Video02.09.2026

Beide Speekly-Angaben beschreiben dasselbe Produkt: ein Video von 15 Sekunden ohne Extras. Sie unterscheiden sich um 67 Prozent. Das ist kein Vorwurf an einen einzelnen Anbieter, sondern der Normalzustand eines Marktes ohne Preistransparenz — und der Grund, warum du deine eigene Rechnung brauchst, bevor du zusagst.

Was kostet dich die Zeit, für die niemand zahlt?

Bewerbungen, abgelehnte Probevideos und Wartezeit auf Produkte tauchen in keiner Honorartabelle auf, kosten aber real Stunden. Wie viel, dazu gibt es keine belastbare deutsche Erhebung — wohl aber öffentliche Schilderungen. Wir haben am 02.09.2026 die zwanzig Bewertungen ausgewertet, die Trustpilot auf der ersten Seite zur UGC-Plattform Speekly anzeigt.

Ergebnis der Auszählung: In zehn der zwanzig Bewertungen geht es um ein abgelehntes Bewerbungs- oder Vorstellungsvideo; in fünf davon wird anschließend ein kostenpflichtiger Kurs für 249 bis 250 Euro erwähnt. Acht der zwanzig Bewertungen sind positiv. Der Gesamtwert liegt bei 2,5 von 5 Sternen aus 49 Bewertungen, davon 51 Prozent mit einem Stern und 35 Prozent mit fünf Sternen. Es sind Nutzerstimmen, keine geprüften Tatsachen — Trustpilot weist selbst darauf hin, Bewertungen nicht auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen.

Bei über 100 Jobs hab ich mich schon beworben, was mir Zeit und Mühen gekostet hat, alles pfutsch.
Nutzer „Chris", Trustpilot-Bewertung zu Speekly vom 01.08.2026

Am aussagekräftigsten ist eine Bewertung, die insgesamt positiv ausfällt. Ein Creator mit über 90 abgeschlossenen Aufträgen schreibt:

Man kommt zwar problemlos an Aufträge, die sind aber so unterdurchschnittlich bezahlt, dass man Fließband Creator werden müsste, um damit langfristig viel Geld zu machen. Dazu gibt man bei jedem Video lebenslange Nutzungsrechte für seine Videos ab – langfristig auch schwierig.
Aleksandar Lazic, Trustpilot-Bewertung zu Speekly vom 11.02.2026

Das ist die ehrlichste Zusammenfassung des Geschäfts, die wir öffentlich gefunden haben: Aufträge sind das Problem nicht. Der Preis pro Stunde ist es.

Was ändern Nutzungsrechte an der Rechnung?

Sie sind der Hebel, der aus einem Verlustgeschäft ein tragfähiges macht — oder umgekehrt. Ein Video, das eine Marke unbegrenzt und für bezahlte Werbung nutzen darf, ist deutlich mehr wert als eines für einen einmaligen organischen Post. Die Aufschläge sind allerdings nirgends einheitlich geregelt, die veröffentlichten Spannen weichen stark voneinander ab.

ZusatzAufschlag laut Fortoga (Creator-Sicht)Aufschlag laut creationell (Markensicht)
Paid Social, 1 Monat+ 20 %
Paid Social, 6 Monate+ 50–100 %
Exklusive Nutzungsrechte / Buyout+ 30–100 %
Rohmaterial mitgeliefert+ 50–100 %
Zusätzliche Hooks+ 25–50 %

Praktische Folge für die Stundenrechnung: Wer 30 Euro für ein Video nimmt und dabei zeitlich unbegrenzte Rechte abgibt, verkauft nicht ein Video, sondern jede zukünftige Verwendung davon. Wie du Nutzungsrechte in eine Preisangabe übersetzt, steht in Was kostet ein Influencer-Post?; die Vertragspunkte, die vorher geklärt sein müssen, in der Kooperations-Checkliste.

Für wen lohnt sich UGC dann noch?

Für drei Gruppen rechnet es sich verlässlich, für eine nicht. Es lohnt sich, wenn du schnell drehst und schneidest, wenn du Aufträge direkt statt über eine Zwischenstufe bekommst, oder wenn du das Handwerk lernst und die niedrigen Sätze bewusst als Ausbildung verbuchst. Es lohnt sich nicht, wenn du jedes Video wie einen Werbefilm baust und dafür Plattform-Mindestsätze nimmst.

  • Rechnet sich: Du brauchst unter fünf Stunden pro Video und liegst über 100 Euro. Das ergibt mindestens 20 Euro pro Stunde.
  • Rechnet sich: Du arbeitest wiederholt für dieselbe Marke. Ab dem dritten Video entfällt die Einarbeitung, die Stundenzahl sinkt bei gleichem Honorar.
  • Rechnet sich als Ausbildung: Die ersten drei bis fünf Videos sind Lehrgeld. Danach musst du die Preise anheben, sonst bleibt es Lehrgeld.
  • Rechnet sich nicht: Acht Stunden pro Video bei 30 bis 50 Euro Honorar, mit selbst gekauften Produkten und unbegrenzten Nutzungsrechten.

Der größte Einzelhebel ist nicht der Preis, sondern der Weg zum Auftrag. Wer sich auf 100 Ausschreibungen bewirbt und zehn bekommt, arbeitet die Akquise unbezahlt mit. Offene Anfragen von Marken findest du bei uns unter UGC-Jobs, nach Branche sortiert — die Aufnahme in den Creator Pool ist für Creator kostenlos, und wir nehmen keine Gebühr von deinem Honorar.

Wie kommst du auf einen Preis, der trägt?

Rechne rückwärts, nicht vorwärts. Setze den Stundensatz an, den du brauchst, multipliziere ihn mit deiner ehrlichen Stundenzahl, schlage Nutzungsrechte auf und nenne das Ergebnis als Spanne. Wer stattdessen fragt „was zahlt ihr denn?", bekommt den Plattform-Mindestsatz genannt — der ist immer die untere Kante, nie die Mitte.

Ein Beispiel mit einem Zielstundensatz von 25 Euro: 5 Stunden × 25 Euro = 125 Euro Grundpreis. Plus 20 Prozent für einen Monat Paid Social = 150 Euro. Diese Zahl nennst du, mit Lieferzeit und einer inklusiven Korrekturschleife. Wie du das in eine erste Nachricht packst, steht in Marke anschreiben als Creator. Und wenn du noch keine Arbeitsproben hast, drehst du sie nach den fünf Skripten aus UGC-Portfolio erstellen, bevor du über Preise verhandelst.

Wie viele Follower du dafür brauchst, ist eine andere Frage als die nach dem Preis — die Antwort mit Zahlen steht in Ab wie vielen Followern bekommt man Kooperationen?. Für den grundsätzlichen Einstieg ins Format ist UGC-Creator werden der Ausgangspunkt.

FAQ

Häufige Fragen

Wie viel verdient man als UGC-Creator in Deutschland wirklich?

Für Einsteiger sind 50 bis 200 Euro pro Video die belegbare Spanne (sevdesk, Stand 27.03.2026). Plattformen zahlen teils ab 30 Euro. Entscheidend ist die Arbeitszeit: Bei fünf Stunden pro Video entspricht ein Honorar von 100 Euro einem Stundenlohn von 20 Euro vor Steuern.

Ist UGC ein seriöser Nebenverdienst oder Zeitverschwendung?

Beides ist möglich, und der Unterschied ist rechenbar. Über 100 Euro pro Video bei unter fünf Stunden Arbeit ist ein tragfähiger Nebenverdienst. Unter 50 Euro pro Video liegst du in jeder Zeitvariante unter dem Mindestlohn von 13,90 Euro.

Wie lange braucht man für ein UGC-Video?

Vier bis acht Stunden inklusive Briefing, Skript, Dreh, Schnitt und Korrekturschleifen. Die reine Drehzeit ist der kleinste Block — meist ein bis zwei Stunden. Wer nur die Drehzeit rechnet, kommt auf einen Stundenlohn, den es nicht gibt.

Muss ich die Produkte selbst kaufen?

Bei seriösen Aufträgen nicht: Die Marke schickt das Produkt. Es gibt aber öffentliche Schilderungen von Creatorn, die Produkte für die Auftragsdurchführung selbst bezahlt haben. Kläre das vor der Zusage schriftlich, zusammen mit der Frage, ob du das Produkt behalten darfst.

Lohnt sich UGC ohne Follower?

Für UGC ja, weil du Material lieferst und nicht Reichweite. Der Preis hängt an Aufwand und Nutzungsrechten, nicht an der Followerzahl. Für bezahlte Posts auf dem eigenen Kanal gilt das nicht — dort ist Reichweite die Ware.

Warum sind die Honorare auf Plattformen so viel niedriger als in Ratgebern?

Weil Plattformen Festpreise setzen und die Akquise übernehmen, Ratgeber dagegen Verhandlungspreise nennen. Der Unterschied ist real: 30 Euro Mindestbetrag stehen 100 bis 300 Euro aus Ratgebern gegenüber. Beides sind echte Marktpreise für unterschiedliche Wege.

Wie viele Stunden unbezahlte Bewerbungen muss ich einrechnen?

Dafür gibt es keine belastbare Zahl. Öffentliche Bewertungen nennen Fälle von über 100 Bewerbungen ohne Auftrag. Rechne die Akquise als eigenen Posten mit und prüfe, ob ein Weg dir diese Zeit abnimmt.

Ab welchem Preis sollte ich einen Auftrag ablehnen?

Rechne deine ehrliche Stundenzahl mal 13,90 Euro — das ist die absolute Untergrenze, unterhalb derer du unter Mindestlohn-Niveau arbeitest. Bei fünf Stunden sind das 69,50 Euro. Für ein tragfähiges Nebeneinkommen brauchst du etwa das Doppelte.

Quellen

Über den Autor
Lukas Renner
Geschäftsführer [mediarenner] · Gründer Creator Pool

Lukas Renner führt die Social-Media-Agentur [mediarenner] und betreibt Creator Pool. Er verantwortet seit Jahren Werbekonten bei Meta, Google und LinkedIn für kleine und mittelständische Unternehmen und verhandelt laufend Kooperationen zwischen Marken und Creatorn.

Aufträge statt Theorie

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