Media Kit erstellen als Creator

Media Kit erstellen als Influencer: die sieben Angaben, die hineingehören, ein komplett ausgefülltes deutsches Muster zum Abschreiben und das richtige Format.

Von Lukas Renner · veröffentlicht am 30. August 2026 · 10 Min. Lesezeit · für Creator

Was ist ein Media Kit — und braucht man eines mit 2.000 Followern?

Ein Media Kit ist eine ein- bis zweiseitige PDF-Datei, die einer Marke in dreißig Sekunden zeigt, wen du erreichst, was du produzierst und was das kostet. Mit 2.000 Followern brauchst du es genauso wie mit 200.000 — nur mit anderen Zahlen. Kleine Accounts nennen Aufrufe, Story-Antworten und Beispielvideos statt Reichweite, weil genau das die Frage der Marke beantwortet.

Das Missverständnis, das kleine Creator am häufigsten ausbremst: Ein Media Kit sei ein Beweis für Größe. Es ist ein Beweis für Verlässlichkeit. Eine Marke, die zehn Anfragen im Postfach hat, sortiert nicht nach Followerzahl, sondern nach der Frage, wer schneller und mit weniger Rückfragen liefern wird. Ein sauberes Media Kit ist die Antwort darauf — und deshalb wirkt es bei 2.000 Followern relativ gesehen stärker als bei 200.000.

Dass die Größe zweitrangig ist, zeigt der *State of German Influencer Marketing Report 2026* (n = 520 Marktteilnehmer): 71 Prozent der Marken nennen die Engagement-Rate als wichtigsten Kennwert, nur 60 Prozent die Reichweite. Gleichzeitig gehen 50 Prozent aller Kooperationen in Deutschland an Nano- und Micro-Creator, und 70 Prozent der Marken nennen es als größte Schwierigkeit, überhaupt passende Creator zu finden. Ein Media Kit ist die Datei, die genau dieses Suchproblem für dich löst.

Warum findet man auf Deutsch kein einziges ausgefülltes Beispiel?

Weil die deutschsprachigen Ergebnisse entweder Werkzeuge verkaufen, Vorlagen hinter einem Anmeldeformular zurückhalten oder maschinell aus dem Englischen übersetzt sind. Wir haben die Seiten geprüft, die Google in Deutschland zu „Media Kit erstellen Influencer Vorlage" ausspielt. Keine einzige zeigt ein vollständig ausgefülltes Media Kit mit konkreten Zahlen — man erfährt überall, *welche* Felder es gibt, nirgends, *was* darin steht.

ErgebnisWas es liefertWas fehlt
carolinepreuss.deSechs-Punkte-Aufbau, sehr solide erklärtDie Vorlage gibt es nur gegen E-Mail-Adresse (Formular-Gate)
welikesocialmedia.deSieben Abschnitte, drei verlinkte FremdbeispieleKein Download, kein ausgefülltes Muster, nur der Hinweis „maximal 1 MB"
CapCut, CanvaVorlagen-Editor mit LayoutsLayout ohne Inhalt — die eigentliche Frage bleibt offen
slideteam.net, moyens.netListen mit vielen VorlagenErkennbar maschinell übersetzt, US-Zahlen, US-Preise
influence.visionRatgeber mit AufbauStand 2024, keine deutschen Vergleichswerte
Was diese Seite anders macht

Weiter unten steht ein vollständig ausgefülltes deutsches Media Kit — jedes Feld befüllt, mit Zahlen in realistischer Größenordnung, ohne Anmeldung, ohne Download. Du kannst es Zeile für Zeile abschreiben und deine eigenen Werte einsetzen. Basis der Auswertung oben: die sieben deutschsprachigen Ergebnisse, die Google am 30.08.2026 zu diesem Suchbegriff ausspielt.

Welche sieben Angaben gehören hinein — und welche nicht?

Sieben Blöcke reichen, und sie stehen in dieser Reihenfolge: Wer du bist, wen du erreichst, was deine Inhalte leisten, was du anbietest, was es kostet, was du schon gemacht hast, wie man dich erreicht. Alles darüber hinaus verlängert die Datei, ohne eine Entscheidung zu erleichtern. Zwei Seiten sind das Maximum — die zweite Seite liest schon kaum noch jemand.

BlockWas hineingehörtTypischer Fehler
1 · KopfName, Handle, Nische in drei Worten, ein FotoEin Logo statt eines Gesichts
2 · ZielgruppeAlter, Geschlecht, Top-Städte oder -Länder, SpracheNur „meine Community ist sehr treu"
3 · LeistungswerteAufrufe der letzten Videos, Reichweite, Engagement-Rate, Story-AntwortenNur die Followerzahl
4 · AngebotFormate mit Länge, Anzahl, Lieferzeit„Alles möglich, sprich mich an"
5 · PreisePreisspanne je Format, Nutzungsrechte separatPreise ganz weglassen
6 · ArbeitsprobenZwei bis drei Links, keine zwanzigEine Linksammlung ohne Auswahl
7 · KontaktE-Mail, Handle, ReaktionszeitNur ein Instagram-Handle

Was nicht hineingehört: erfundene oder geschönte Zahlen (Marken prüfen sie mit Werkzeugen nach), Screenshots ohne lesbare Achsenbeschriftung, ein Lebenslauf, Preise ohne Angabe der Nutzungsrechte und alles, was älter als drei Monate ist. Wie Marken Zahlen gegenprüfen, steht in unserem Ratgeber Fake-Follower erkennen — dieselbe Prüfung, nur aus der Gegenrichtung gelesen.

Das ausgefüllte Muster zum Abschreiben

Hier steht das komplette Media Kit eines Nano-Creators, Feld für Feld befüllt. Die Person ist ein Muster, keine reale Creatorin — die Zahlen liegen bewusst in der Größenordnung, die für Accounts dieser Größe üblich ist (Herleitung im nächsten Abschnitt). Ersetze jeden Wert durch deinen eigenen; die Struktur bleibt.

Seite 1 — Kopf

Lena K. · @lenakocht_ · Einfache Feierabendküche Instagram und TikTok · Hochformat-Videos · Hamburg „Rezepte mit maximal sieben Zutaten, gefilmt in einer normalen Küche."

Seite 1 — Zielgruppe

MerkmalWert
Follower Instagram3.400
Follower TikTok1.900
Alter (größte Gruppe)25–34 Jahre (54 %)
Geschlecht78 % weiblich
Top-StädteHamburg (21 %), Berlin (9 %), Bremen (5 %)
SpracheDeutsch (94 %)

Seite 1 — Leistungswerte, letzte 30 Tage

KennzahlWert
Aufrufe je Reel (Median der letzten 9)8.700
Bestes Reel im Zeitraum41.000 Aufrufe
Engagement-Rate Instagram5,1 %
Story-Antworten je Story-Reihe20–35
Gespeicherte Beiträge je Reel180–400

Seite 2 — Angebot und Preise

FormatUmfangLieferungPreis
UGC-Video (nur Material)1 Video, 20–30 Sek., Hochformat, geschnitten5 Werktage120 €
UGC-Paket3 Videos, dazu 5 Fotos8 Werktage300 €
Reel auf meinem Kanal1 Reel + 3 Stories mit Verlinkungnach Absprache250 €
Nutzungsrechte für Anzeigen6 Monate, Meta und TikTokAufschlag 50 %

Seite 2 — Zusammenarbeit bisher und Kontakt

Bisher: zwei lokale Marken (Küchenzubehör, Bio-Lieferdienst), vier UGC-Videos. Arbeitsproben: [zwei Links] lena@beispiel.de · Antwort in der Regel innerhalb von 24 Stunden.

Mehr ist es nicht. Wenn dein Media Kit länger wird als diese zwei Seiten, streichst du am besten von unten. Wie du daraus eine Anfrage machst, die auch beantwortet wird, steht in Marke anschreiben als Creator — das Media Kit ist der Anhang, nicht die Nachricht.

Welche Zahlen nennt man, wenn die Followerzahl klein ist?

Aufrufe statt Follower, Median statt Bestwert, Zeitraum statt Gesamtsumme. Ein Nano-Account mit 3.400 Followern und 8.700 Aufrufen je Reel ist für eine Marke leichter zu bewerten als einer mit 30.000 Followern ohne Aufrufangabe. Nenne immer den Zeitraum („letzte 30 Tage") und die Zahl der Beiträge, aus denen der Wert stammt — genau diese zwei Angaben unterscheiden ein geprüftes Media Kit von einer Behauptung.

Die Engagement-Rate ist der Wert, den Marken am häufigsten sehen wollen. Diese Größenordnungen gelten laut den Instagram-Benchmarks von Social Insider (Erhebungsstand Februar 2026):

GrößenklasseFollowerÜbliche Engagement-Rate
Nano1.000–10.0004–6 %
Micro10.000–100.0002–5 %
Mid-Tier100.000–500.0001,5–3 %
Macro500.000–1 Mio.1–2,5 %
Megaüber 1 Mio.0,5–2 %

Die übliche Formel lautet (Likes + Kommentare) ÷ Follower × 100. Schreibe im Media Kit dazu, wie du gerechnet hast — manche Creator beziehen Speicherungen und Weiterleitungen mit ein, was den Wert deutlich hebt und ohne Erklärung wie eine Schönung aussieht. Ab welcher Größe Marken überhaupt anfragen, haben wir in Ab wie vielen Followern bekommt man Kooperationen? mit Zahlen aufgeschlüsselt.

Für die Preisangaben in Block 5 gilt: Eine Spanne ist besser als gar nichts und besser als eine einzelne Zahl. Marktübliche Größenordnungen für den deutschsprachigen Raum stehen in Was kostet ein Influencer-Post?.

Womit erstellt man das Media Kit — und in welchem Format?

Mit Canva, Google Präsentationen oder auch einem Textprogramm — und exportiert wird als PDF. Das Werkzeug ist gleichgültig, das Format nicht: Eine PDF-Datei öffnet sich überall gleich, lässt sich intern weiterleiten und bleibt lesbar, wenn der Link zu deinem Kanal gerade nicht funktioniert. welikesocialmedia.de empfiehlt höchstens 1 MB Dateigröße — ein Wert, an dem man sich gut orientieren kann.

WegWann sinnvollNachteil
Canva-Vorlage, PDF-ExportStandardfall, kostenlos möglichVorlagen sehen sich untereinander ähnlich
Google PräsentationenWenn du oft aktualisierstWeniger gestalterische Freiheit
Eigene Unterseite auf der WebsiteBei vielen AnfragenBraucht eine Website, die gepflegt wird
Profil auf einer Creator-PlattformWenn Marken dich finden sollenNur innerhalb der jeweiligen Plattform sichtbar
PowerPoint-Datei verschickenVerschiebt sich auf fremden Rechnern, wirkt unfertig

Dateiname mit Namen und Datum, etwa media-kit-lena-k-2026-08.pdf. Er landet im Downloadordner der Marke, und ein Dokument namens Mediakit_final_v3.pdf ist dort nach einer Woche nicht mehr auffindbar.

Wie oft muss ein Media Kit aktualisiert werden?

Alle drei Monate, oder immer dann, wenn sich eine der genannten Zahlen um mehr als ein Viertel verändert hat. Ein Media Kit mit Werten aus dem Vorjahr schadet mehr als keines: Marken rechnen damit, dass geprüfte Zahlen aktuell sind, und eine erkennbar veraltete Datei stellt alle anderen Angaben in Frage. Setze das Erhebungsdatum sichtbar auf Seite 1.

Ein praktischer Rhythmus: einmal im Quartal die Aufrufe der letzten neun Beiträge in eine Tabelle eintragen, Median bilden, ins Media Kit übertragen, Datum ändern, neu exportieren. Das dauert zwanzig Minuten. Wer gerade erst anfängt und noch keine neun Beiträge hat, findet den Ablauf für die ersten zwei Wochen im 14-Tage-Plan für den Start ohne Follower; den größeren Überblick gibt die Seite UGC-Creator werden.

Der Weg ohne PDF

Ein Media Kit brauchst du, wenn du Marken anschreibst. Wenn Marken dich finden sollen, übernimmt ein gepflegtes Profil dieselbe Aufgabe: Im Creator Pool suchen Marken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Nische, Ort und Größe — die Angaben aus deinem Media Kit stehen dort in strukturierter Form. Für Creator ist das kostenlos.

FAQ

Häufige Fragen

Brauche ich ein Media Kit, wenn ich nur UGC mache?

Ja, aber ein anderes. Bei reinem UGC kauft die Marke Videoproduktion, keine Reichweite — dort zählen Arbeitsproben, Lieferzeit, Preis je Video und die Konditionen für Nutzungsrechte. Zielgruppen- und Reichweitendaten kannst du dann auf wenige Zeilen kürzen oder ganz weglassen.

Wie viele Seiten sollte ein Media Kit haben?

Eine bis zwei. Alles darüber wird überflogen. Wenn du mehrere Plattformen hast, fasse sie in einer Tabelle zusammen, statt je Plattform eine eigene Seite anzulegen.

Was schreibe ich hinein, wenn ich noch nie mit einer Marke gearbeitet habe?

Statt „Bisherige Kooperationen" ein Feld „Arbeitsproben" mit zwei bis drei selbst gedrehten Videos zu Produkten, die du tatsächlich benutzt. Das ist ehrlich und zeigt genau das, was die Marke bewerten will: Bildqualität, Ton und Tempo.

Soll ich meine Preise ins Media Kit schreiben?

Ja, als Spanne. Ohne Preisangabe entsteht eine zusätzliche Rückfrage, und jede Rückfrage kostet Antwortwahrscheinlichkeit. Nutzungsrechte solltest du dabei immer getrennt ausweisen, sonst verschenkst du sie.

Ist ein Media Kit auf Deutsch oder auf Englisch besser?

Auf Deutsch, wenn du deutschsprachige Marken anschreibst — das ist der Regelfall. Für internationale Marken lohnt sich eine zweite Fassung; übersetze dann auch die Zahlenformate (Punkt statt Komma als Dezimaltrennzeichen).

Darf ich Screenshots aus Instagram Insights einfügen?

Ja, und es wirkt glaubwürdiger als abgetippte Zahlen. Achte darauf, dass Zeitraum und Achsenbeschriftung lesbar sind und keine Daten anderer Personen im Bild stehen, etwa Namen aus Nachrichtenanfragen.

Wie schicke ich das Media Kit — als Anhang oder als Link?

Als Link in der ersten Nachricht, als Anhang erst auf Nachfrage. Anhänge von unbekannten Absendern landen häufiger im Spam-Ordner, und ein Link lässt sich austauschen, wenn du die Zahlen aktualisierst.

Muss ich meine echten Zahlen angeben oder darf ich runden?

Runden ja, schönen nein. „Rund 8.700 Aufrufe je Reel" ist in Ordnung, der einmalige Bestwert als Durchschnitt ausgegeben nicht. Marken prüfen Reichweiten mit Analysewerkzeugen nach — eine aufgeblähte Zahl fällt auf und beendet das Gespräch.

Quellen

Über den Autor
Lukas Renner
Geschäftsführer [mediarenner] · Gründer Creator Pool

Lukas Renner führt die Social-Media-Agentur [mediarenner] und betreibt Creator Pool. Er verantwortet seit Jahren Werbekonten bei Meta, Google und LinkedIn für kleine und mittelständische Unternehmen und verhandelt laufend Kooperationen zwischen Marken und Creatorn.

Aufträge statt Theorie

Im Creator Pool suchen Marken aus DACH nach Nano- und Mikro-Creatorn. Ein Profil anzulegen kostet dich nichts – und bleibt kostenlos.