Engagement-Rate berechnen

Engagement-Rate berechnen: die Formel in drei Varianten, welche Benchmarks 2026 wirklich gelten – und was deine Engagement-Rate für dein Honorar bedeutet.

Von Lukas Renner · veröffentlicht am 3. September 2026 · zuletzt geprüft am 13. September 2026 · 10 Min. Lesezeit · für Creator

Wie berechnet man die Engagement-Rate?

Interaktionen geteilt durch Followerzahl, mal hundert. Zähle Likes, Kommentare, Shares und Saves eines Beitrags zusammen, teile die Summe durch deine Followerzahl und multipliziere mit 100 – das Ergebnis ist deine Engagement-Rate in Prozent. Für mehrere Beiträge nimmst du besser den Median statt des Durchschnitts, damit ein einzelner viraler Ausreißer das Bild nicht verzerrt.

SchrittRechnungBeispiel
1. Interaktionen zählenLikes + Kommentare + Shares + Saves280 + 40 + 15 + 25 = 360
2. Durch Follower teilenInteraktionen ÷ Follower360 ÷ 8.000 = 0,045
3. Mal 100Ergebnis in Prozent4,5 %

Es gibt keine einzige, standardisierte Formel – je nach Zweck wird auf Follower, Reichweite oder Aufrufe bezogen. Für die meisten Zwecke reicht die Follower-Variante oben, weil sie sich mit anderen Profilen vergleichen lässt, ohne dass du Reichweitendaten offenlegen musst. Wichtig ist nur eins: Schreib immer dazu, wie du gerechnet hast. Warum das keine Formalie ist, zeigt der nächste Abschnitt.

Warum nennen zwei seriöse Studien für dasselbe Format 0,55 und 6,90 Prozent?

Weil sie durch etwas anderes teilen. Socialinsider hat 35 Millionen Instagram-Beiträge aus 447.613 Profilen (Januar bis Dezember 2025) ausgewertet und kommt für Karussells auf 0,55 Prozent – gerechnet als Likes plus Kommentare geteilt durch die Followerzahl. Buffer wertete über 52 Millionen Beiträge aus und kommt für dasselbe Format auf 6,90 Prozent – gerechnet als Interaktionen geteilt durch die Reichweite.

Der Faktor zwischen beiden Zahlen liegt bei etwa zwölf, und er entsteht ausschließlich durch den Nenner. Reichweite ist immer kleiner als die Followerzahl mal Beitragszahl – wer durch sie teilt, bekommt zwangsläufig die größere Prozentzahl.

AuswertungStichprobeNennerKarussellReelsEinzelbild
Socialinsider, Daten 202535 Mio. Beiträge, 447.613 ProfileFollower0,55 %0,48 %0,33 %
Buffer, Daten bis 12/2025über 52 Mio. BeiträgeReichweite6,90 %3,31 %4,44 %
Was diese Seite anders macht

Diese beiden Auswertungen stehen unseres Wissens nirgends sonst auf Deutsch nebeneinander – und genau nebeneinander erklären sie das Problem, an dem die meisten Media Kits scheitern. Wir haben beide Studien am 13.09.2026 direkt an der Quelle geprüft, einschließlich der Rechenwege, die beide offenlegen.

Bemerkenswert ist auch die umgekehrte Reihenfolge: Nach Followern gerechnet liegen Reels vor Einzelbildern, nach Reichweite gerechnet ist es andersherum. Buffer erklärt das damit, dass Reels deutlich breiter ausgespielt werden – mehr Reichweite im Nenner drückt die Quote, obwohl mehr Menschen interagiert haben. Wer also Reels nach der Reichweiten-Formel bewertet, bestraft sich selbst für den Erfolg seines Formats.

Was gilt 2026 als guter Wert?

Das hängt vom Nenner und von deiner Größe ab – und die kursierenden Faustregeln sind älter, als sie wirken. Nach Followern gerechnet liegt der Instagram-Durchschnitt laut Socialinsider bei 0,48 Prozent, 24 Prozent niedriger als im Vorjahr. Für kleine Konten sieht es besser aus: HypeAuditor weist für Nano-Creator mit 1.000 bis 10.000 Followern 1,78 Prozent aus, für Micro-Creator 0,54 Prozent und für Konten über einer Million 0,33 Prozent.

Größenklasse (Instagram)Engagement-RateMedian-Likes je Beitrag
Nano, 1.000–10.000 Follower1,78 %–
Micro, 10.000–50.000 Follower0,54 %91
Mega, über 1 Mio. Follower0,33 %6.678

Quelle: HypeAuditor, State of Influencer Marketing 2026, zitiert über eMarketer (24.02.2026). Die Zahlen zeigen beides: Kleine Konten haben die höhere Quote, große die größeren absoluten Zahlen. 81,5 Prozent aller Instagram-Creator sind laut derselben Auswertung Nano-Creator – du bist mit einem kleinen Konto also nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall.

Ehrlich dazugesagt, weil es unsere eigene frühere Fassung betraf: Die viel zitierte Zahl „rund 1,5 Prozent für Deutschland" stammt aus dem Digital-Report vom Januar 2020 und ist damit über sechs Jahre alt. Eine frische, belastbare Engagement-Zahl speziell für Deutschland konnten wir für 2026 nicht finden – die großen Auswertungen sind international. Wer dir eine deutsche Zahl ohne Stichprobe und Zeitraum nennt, hat sie vermutlich aus derselben alten Quelle.

Auf TikTok liegen die Werte deutlich höher, weil dort durch Aufrufe geteilt wird und nicht durch Follower:

TikTok-GrößenklasseEngagement-Rate 2025
1.000–5.000 Follower4,40 %
5.000–10.000 Follower4,00 %
10.000–50.000 Follower3,90 %
50.000–100.000 Follower3,75 %

Basis: Socialinsider, 2 Millionen Videos aus 214.507 Profilen, Januar 2024 bis Dezember 2025. Ein direkter Vergleich deiner Instagram- mit deiner TikTok-Rate ist deshalb sinnlos – es sind zwei verschiedene Rechnungen.

Follower oder Reichweite: welche Formel ist die richtige?

Follower-basiert für den Vergleich zwischen Profilen, reichweiten-basiert für die Bewertung eines einzelnen Beitrags. Die Follower-Formel zeigt, wie aktiv deine gesamte Community im Schnitt ist – gut für ein Media Kit oder eine erste Anfrage. Die Reichweiten-Formel ist genauer, weil sie nicht durch Follower verzerrt wird, die den Beitrag nie sehen, braucht aber Zugriff auf deine Insights.

Für Videos gibt es eine dritte, oft treffendere Variante: Interaktionen geteilt durch die Aufrufe. Bei Reels und TikToks ist das häufig die aussagekräftigste Zahl, weil Videos meist über die eigenen Follower hinaus ausgespielt werden.

VarianteNennerWofür sie taugtWer so rechnet
ER by FollowersFollowerzahlVergleich zwischen Profilen, Media KitSocialinsider (Instagram), HypeAuditor
ER by ReachReichweite des BeitragsBewertung eines einzelnen BeitragsBuffer
ER by ViewsAufrufeReels, TikToks, alles VideoSocialinsider (TikTok)

Ein Detail, das viele übersehen: Instagram selbst weist gar keine Engagement-Rate aus. In den Insights stehen Aufrufe, Interaktionen, erreichte Konten und Konten mit Interaktion – die Quote musst du selbst bilden. Deshalb gibt es auch keine „offizielle" Formel, auf die du dich berufen könntest.

Welche Zahl gehört 2026 ins Media Kit?

Nicht nur die Engagement-Rate, sondern die Signale, die Instagram selbst höher gewichtet. Instagram-Chef Adam Mosseri hat das Mitte 2026 deutlich gesagt: „Das Wichtigste, worauf ihr euch konzentrieren solltet, ist nicht die Reichweite eures Posts." Entscheidend sei, ob Menschen ein Reel teilen, speichern oder weiterschicken – dazu die Unterscheidung zwischen Reichweite in der eigenen Community und darüber hinaus.

Das Wichtigste, worauf ihr euch konzentrieren solltet, ist nicht die Reichweite eures Posts.
— Adam Mosseri, Head of Instagram, zitiert von t3n am 30.06.2026

Praktisch heißt das für dein Media Kit: Nimm neben der Engagement-Rate zwei, drei Zahlen auf, die Weiterempfehlung zeigen. Zur Einordnung, was dabei normal ist – Socialinsider hat 15 Millionen Beiträge aus 417.130 Profilen (Oktober 2025 bis März 2026) nach Interaktionsart getrennt:

Kennwert (follower-basiert)ReelsKarussellBild
Kommentar-Rate0,06 %0,04 %0,03 %
Share-Rate0,10 %0,08 %0,07 %
Save-Rate0,04 %0,05 %0,02 %

Das sind kleine Zahlen – genau deshalb wirken sie. Wer eine Share-Rate von 0,3 Prozent vorweisen kann, liegt beim Dreifachen des Durchschnitts, und das ist ein Argument, das keine Followerzahl ersetzt.

Was bedeutet meine Engagement-Rate für das Honorar, das ich verlangen kann?

Sie ist der zweitwichtigste Faktor nach der Followerzahl – und für Marken sogar wichtiger als reine Reichweite. Nach dem *State of German Influencer Marketing Report 2026* (n = 520 Marktteilnehmer) nennen 71 Prozent der befragten Marken die Engagement-Rate als wichtigsten Kennwert bei der Bewertung einer Kooperation, nur 60 Prozent die Reichweite. Ein kleineres Konto mit hoher Engagement-Rate ist damit oft die bessere Verhandlungsposition als ein großes mit niedriger.

Unsere eigene Preisstruktur richtet sich nach Followerklasse, nicht direkt nach Engagement-Rate – aber genau die Followerklasse ist es, in der eine gute Engagement-Rate den Ausschlag gibt, ob eine Marke dich überhaupt bucht:

StufeFollowerWofür die Stufe steht
UGC-CreatoregalVideo für die Kanäle der Marke, Reichweite spielt keine Rolle
Nano-Influencerunter 10.000Video plus Veröffentlichung auf dem eigenen Kanal
Micro-Influencer10.000–50.000Video plus Reichweite, höchste Stufe im Festpreis-Katalog

Wer im Nano-Bereich deutlich über den 1,78 Prozent liegt, die HypeAuditor für diese Klasse ausweist, hat die bessere Ausgangsposition für Honorare außerhalb der Festpreis-Stufen als jemand mit denselben Followern und schwacher Interaktion. Wie du daraus einen Preis machst, den du auch begründen kannst, steht Schritt für Schritt in Was darfst du als Creator verlangen?.

Wie Followerzahl und Engagement-Rate zusammen darüber entscheiden, ob eine Marke überhaupt anfragt, steht ausführlicher in Ab wie vielen Followern bekommt man Kooperationen?. Wo die Engagement-Rate im fertigen Media Kit steht, zeigt die ausgefüllte Vorlage in Media Kit erstellen. Grundlagen zum Einstieg gibt der Pillar-Ratgeber UGC-Creator werden, Preise generell erklärt Was kostet ein Influencer-Post?. Und weil viele die Engagement-Rate mit der Hoffnung auf Plattform-Geld verbinden: Warum Instagram in Deutschland für Reichweite nichts zahlt, steht in Instagram Reels Bonus in Deutschland. Wer sich lieber gleich für passende Aufträge sichtbar machen will, findet sie unter UGC-Jobs.

Der einfachere Weg

Statt die Engagement-Rate für jede einzelne Anfrage neu vorzurechnen, kannst du sie einmal in deinem Profil im Creator Pool hinterlegen – Marken sehen sie dann direkt, wenn sie dich anfragen.

FAQ

Häufige Fragen

Zählen auch Story-Antworten und Profilbesuche zur Engagement-Rate?

In der Standardformel nicht – dort zählen nur Likes, Kommentare, Shares und Saves des Beitrags selbst. Für Stories rechnet man stattdessen üblicherweise die Klickrate auf den Link: Klicks geteilt durch Story-Aufrufe, mal hundert. Story-Zahlen gehören ins Media Kit, aber getrennt ausgewiesen.

Warum ist meine Engagement-Rate so viel niedriger als die Benchmarks, die ich kenne?

Meistens wegen des Nenners. Werte um 4 bis 6 Prozent stammen fast immer aus reichweiten-basierten Rechnungen oder aus älteren Auswertungen. Nach Followern gerechnet liegt der Instagram-Durchschnitt 2026 bei 0,48 Prozent – ein Nano-Konto mit 1,78 Prozent liegt damit weit über dem Schnitt.

Was ist ein realistischer Wert für ein kleines Konto unter 5.000 Followern?

Nach Followern gerechnet sind 1,5 bis 3 Prozent ein guter Bereich; HypeAuditor weist für die Klasse 1.000 bis 10.000 Follower im Schnitt 1,78 Prozent aus. Nach Reichweite gerechnet liegen dieselben Konten oft im hohen einstelligen Bereich – deshalb immer die Formel dazuschreiben.

Warum ist meine Engagement-Rate auf TikTok höher als auf Instagram?

Weil die gängigen TikTok-Auswertungen durch Aufrufe teilen und nicht durch Follower – das ergibt automatisch andere Zahlen. Dazu kommt, dass TikTok Inhalte stärker über Empfehlungen ausspielt. Vergleiche deshalb nur innerhalb derselben Plattform und derselben Formel.

Soll ich Gewinnspiel-Posts mitzählen?

Nein. Gewinnspiele erzeugen Interaktionen, die nichts über deine normale Reichweite aussagen, und ziehen deinen Schnitt künstlich nach oben. Nimm den Median aus 8 bis 10 regulären Beiträgen – eine Marke erkennt den Ausreißer ohnehin.

Reicht eine hohe Engagement-Rate allein für eine Kooperation?

Nein, aber sie ist laut Marken-Befragung der wichtigste Einzelfaktor. Passung zur Marke, Bildqualität und ob dein Fazit glaubwürdig wirkt, entscheiden mit – eine hohe Rate öffnet die Tür, ersetzt aber nicht den Rest.

Wie oft sollte ich meine Engagement-Rate neu berechnen?

Vor jeder größeren Anfrage oder Media-Kit-Aktualisierung reicht – meist alle paar Monate. Nimm dafür den Median deiner letzten 8 bis 10 Beiträge, nicht nur den letzten. Instagram zeigt Insights rückwirkend nur für 90 Tage, rechne also rechtzeitig.

Quellen

Über den Autor
Lukas Renner
Geschäftsführer [mediarenner] · Gründer Creator Pool

Lukas Renner führt die Social-Media-Agentur [mediarenner] und betreibt Creator Pool. Er verantwortet seit Jahren Werbekonten bei Meta, Google und LinkedIn für kleine und mittelständische Unternehmen und verhandelt laufend Kooperationen zwischen Marken und Creatorn.

Aufträge statt Theorie

Im Creator Pool suchen Marken aus DACH nach Nano- und Mikro-Creatorn. Ein Profil anzulegen kostet dich nichts – und bleibt kostenlos.