Was gehört in eine Kooperationsanfrage?
Fünf Angaben, und zwar alle fünf in der ersten Nachricht: was du verkaufst, was du genau haben willst, was es dafür gibt, bis wann, und warum du ausgerechnet diesen Creator fragst. Wer eine davon weglässt, zwingt den Creator zur Rückfrage – und Rückfragen kosten Antworten. Die häufigste Auslassung ist das Budget. Eine Anfrage ohne Zahl wird als unverbindliche Kontaktaufnahme gelesen, nicht als Auftrag.
| Baustein | Was hineingehört | Typischer Fehler |
|---|---|---|
| 1. Wer du bist | Ein Satz: Marke, Produkt, Zielgruppe | Firmengeschichte in drei Absätzen |
| 2. Warum dieser Creator | Ein konkreter Bezug zu einem Beitrag oder Thema | „Wir lieben deinen Content" |
| 3. Was du willst | Format, Anzahl, Länge, Plattform, Nutzungsrechte | „Eine Zusammenarbeit" |
| 4. Was es dafür gibt | Zahl oder klar benannte Gegenleistung | Budget verschweigen |
| 5. Bis wann | Drehzeitraum und Abgabedatum | „zeitnah" |
Wie ernst der zweite Punkt genommen wird, beschreibt die Creator-Plattform nindo in ihrem Leitfaden für Marken:
Die meisten Kooperationsanfragen bleiben unbeantwortet, weil ihnen anzusehen ist, dass sie an zwanzig weitere Creator gingen.
Wir haben am 11.09.2026 die zehn Ergebnisse geprüft, die zu den deutschen Suchen rund um „Kooperationsanfrage Influencer Vorlage" ausgespielt werden – jede Seite einzeln aufgerufen. Das Ergebnis erklärt, warum so viele Anfragen gleich klingen:
- 1 von 10 Treffern enthält eine vollständige, kopierbare Vorlage für den Fall, um den es hier geht – Marke schreibt Creator an, frei im Text, ohne Anmeldung.
- 3 von 10 haben zwar eine Vorlage, aber für den falschen Fall: Creator bewirbt sich bei Marke, oder allgemeine Geschäftskooperation ohne Creator-Bezug.
- 4 von 10 liefern nur allgemeine Tipps, 1 von 10 versteckt das Muster hinter einem kostenpflichtigen Report, 1 von 10 ist eine reine Spam-Downloadseite.
- 0 von 10 nennen einen Honorarbetrag in Euro. 0 von 10 nennen eine Antwortquote. 1 von 10 nennt überhaupt eine Frist zum Nachfassen.
Deshalb stehen auf dieser Seite Vorlage, Zahlen und Nutzungsrechte zusammen. Und eine Zahl, die in vielen dieser Texte auftaucht, haben wir bewusst weggelassen: „73 Prozent aller Influencer-Anfragen bleiben unbeantwortet" ist nicht belegbar – der als Quelle genannte Influencer Marketing Benchmark Report enthält überhaupt keine Angabe zu Antwortquoten.
Wie viele Anfragen bekommt ein Creator überhaupt?
Weniger, als die Klage über volle Postfächer vermuten lässt – und die meisten davon sind unbezahlt. In der bislang größten Befragung speziell zu diesem Thema (HypeAuditor, 1.656 Influencer mit über 1.000 Followern, weltweit, Erhebung September 2021) bekommen 37 Prozent eine bis drei Markenanfragen pro Monat. Bei den Inhalten dieser Anfragen liegen kostenlose Produkttests mit 33 Prozent vorn, bezahlte Beiträge folgen mit 31 Prozent.
Die wichtigste Zahl derselben Befragung ist aber diese: 43 Prozent der Influencer geben an, nie oder selten eine personalisierte Nachricht von einer Marke bekommen zu haben. Das ist keine Beschwerde über Umgangsformen, sondern eine Gelegenheit. Wer als kleine Marke zehn Minuten Recherche in eine Nachricht steckt, steht in einem Postfach, in dem das fast niemand tut.
| Warum Creator ablehnen | Anteil |
|---|---|
| Marke passt nicht zu ihnen | 51,1 % |
| Budget zu niedrig | 42 % |
| Keine kreative Freiheit | 38 % |
Zur Einordnung: Die Zahlen sind von 2021 und weltweit erhoben – für die Größenordnung taugen sie, für den deutschen Markt 2026 sind sie kein exakter Maßstab. Eine aktuellere Erhebung speziell zu Influencer-Anfragen gibt es öffentlich nicht.
Wie viele Antworten darfst du erwarten?
Deutlich weniger als die Hälfte, und das ist normal. Eine saubere Studie zu Antwortquoten bei Influencer-Anfragen existiert nicht – belastbar sind Auswertungen aus der geschäftlichen Kaltakquise per E-Mail. Der Dienstleister Belkins hat 7.530.489 Mails aus 2025 ausgewertet und kommt auf 0,45 Prozent Antworten je Versand; Woodpecker weist über mehr als 20 Millionen Nachrichten 3,43 Prozent aus, Backlinko über 12 Millionen Mails 8,5 Prozent. Die Spanne erklärt sich fast vollständig durch die Rechenweise.
Interessanter als der Mittelwert sind die Hebel, die dieselben Auswertungen zeigen:
| Hebel | Wirkung | Quelle |
|---|---|---|
| Kleine Liste unter 50 Empfängern | 5,8 % statt 2,1 % bei über 1.000 Empfängern | Woodpecker, über 20 Mio. Nachrichten |
| Starke Personalisierung | 17–18 % statt 7–9 % | Woodpecker |
| Ein einziges Nachfassen | +65,8 % mehr Antworten | Backlinko, 12 Mio. Mails, 2019 |
| Personalisierte Betreffzeile | +30,5 % | Backlinko, 2019 |
Übersetzt heißt das: Zwanzig recherchierte Anfragen schlagen zweihundert kopierte. Und weil rund die Hälfte aller Absender nie nachfasst, liegt dort der günstigste Zugewinn überhaupt.
Die vier Vorlagen zum Kopieren
Vier Situationen decken fast alles ab: der bezahlte UGC-Auftrag, die ehrliche Produktanfrage ohne Budget, die kurze Direktnachricht und das Nachfassen. Ersetze alles in eckigen Klammern. Wenn danach ein Satz übrig bleibt, der auf jeden beliebigen Creator passen würde, streich ihn.
1 · Bezahlter UGC-Auftrag per E-Mail
Betreff: Bezahlter Videoauftrag – [Produkt], [Honorar] Euro
Hallo [Vorname],
wir sind [Marke] und verkaufen [Produkt in fünf Wörtern]. Dein Video über [konkreter Beitrag] hat uns aufgefallen, weil [ein Satz, der zeigt, dass du hingesehen hast].
Wir suchen [Anzahl] UGC-Videos à [Länge] Sekunden im Hochformat, ohne Veröffentlichung auf deinem Kanal. Wir nutzen sie [wo genau, zum Beispiel: als Werbeanzeigen bei Meta] für [Zeitraum].
Honorar: [Betrag] Euro pro Video inklusive dieser Nutzung. Drehzeitraum [Datum bis Datum], Abgabe bis [Datum].
Passt das für dich? Dann schicke ich dir das Briefing.
[Name, Rolle, Marke]
2 · Produktanfrage ohne Budget – ehrlich formuliert
Betreff: [Produkt] gegen ein Video – offene Anfrage
Hallo [Vorname],
kurz und ehrlich: Wir haben für diese Aktion kein Budget für Honorare, sondern nur das Produkt. Deshalb nennen wir das direkt, statt es „Kooperation auf Augenhöhe" zu nennen.
Konkret: [Produkt, Wert] geht an dich, du behältst es. Dafür wünschen wir uns [ein Reel / ein Video], Nutzung ausschließlich auf deinem Kanal, keine Weiterverwendung durch uns.
Wenn das für dich nicht passt, ist das völlig in Ordnung – dann melde ich mich wieder, wenn wir Budget haben.
[Name, Marke]
3 · Direktnachricht auf Instagram
Hallo [Vorname], wir sind [Marke] ([Produkt in drei Wörtern]). Wir würden gern [Anzahl] Videos zu [Thema] beauftragen, Honorar [Betrag] Euro, Abgabe bis [Datum]. Soll ich dir die Details per Mail schicken? Dann brauche ich nur deine Adresse.
4 · Nachfassen nach fünf Werktagen
Betreff: Re: [ursprünglicher Betreff]
Hallo [Vorname],
kurze Erinnerung zu meiner Anfrage von [Datum] – [Anzahl] Videos, [Betrag] Euro, Abgabe bis [Datum].
Falls gerade kein Platz ist oder das Honorar nicht passt: Sag einfach kurz Bescheid, dann plane ich anders. Eine Absage ist mir lieber als keine Antwort.
[Name]
Eine Bemerkung zur zweiten Vorlage: Barter ist kein Makel, unklare Barter-Anfragen sind einer. Wer den Produktwert nennt und die Nutzung eingrenzt, bekommt seltener eine Zusage, aber häufiger eine ehrliche.
Willst du die Anzeige später aus dem Profil des Creators ausspielen, gehört das schon in die erste Anfrage — mit Laufzeit und Plattform. Was dieser Zusatz kostet und wie die Freigabe technisch läuft, steht in Whitelisting bei Creatorn.
Was schreibst du auf keinen Fall?
Fünf Dinge, und das teuerste ist der falsche Name. Eine Anrede, die erkennbar aus einer Tabelle kommt, entwertet jede Recherche, die danach folgt – der Creator liest nicht weiter, weil der erste Satz schon zeigt, dass die Nachricht an viele ging. Die deutsche Influencerin Ann-Vivien hat das in einem Interview so beschrieben:
Bei der Kommunikation von Marken stört mich am meisten, dass sie in ihren Nachrichten nicht meinen richtigen Namen verwenden. Sie schreiben Dinge wie ‚Hey Darling' oder ‚Hallo Anni', aber mein Name ist Ann-Vivien.
Eine Bloggerin beschreibt dasselbe Muster bei Anreden wie „Hello Sir/Madam": Daran erkenne sie sofort, dass sich nicht einmal die Mühe gemacht wurde, in ihr Impressum zu schauen. Der Rest der Liste:
- „Wir bieten dir Reichweite": Der Creator hat die Reichweite, nicht du. Der Satz kehrt das Verhältnis um.
- Kein Budget nennen und auf Rückfrage warten: Kostet dich Antworten, weil viele gar nicht erst nachfragen.
- Copy-and-paste an viele gleichzeitig: OMR rät ausdrücklich davon ab, Anfragen per Copy-and-paste an viele Personen gleichzeitig zu schicken. Dort heißt es auch: „Mitunter bekommen Influencer sehr viele Anfragen am Tag, mit zum Teil epischen Ausführungen."
- Nutzungsrechte verschweigen und später nachfordern: Der häufigste Grund für Streit nach der Lieferung. Was genau du einkaufst, steht in Nutzungsrechte bei UGC.
Wann fasst du nach – und wie oft?
Einmal, nach vier bis fünf Werktagen, und dann nicht mehr. Diese Frist nennt auch nindo in seinem Leitfaden: Ein einziges Nachfassen nach vier bis fünf Werktagen sei angemessen; bleibt auch darauf eine Antwort aus, ist der Fall für diese Kampagne erledigt. Das deckt sich mit den Outreach-Zahlen oben – der erste Nachfass-Schritt bringt den größten Zugewinn, jeder weitere schadet mehr, als er nützt.
Praktisch heißt das: Trag dir beim Versand direkt den Nachfass-Termin ein. Und formuliere die zweite Nachricht so, dass eine Absage leicht fällt. Eine klare Absage ist für die Planung mehr wert als ein offener Vorgang, der nie zu Ende geht.
Darfst du Creator einfach kalt per E-Mail anschreiben?
Rechtlich ist das heikler, als fast alle Vorlagensammlungen zugeben. Werbung per E-Mail ohne vorherige Einwilligung gilt nach § 7 UWG als unzumutbare Belästigung – eine Ausnahme für den geschäftlichen Bereich gibt es nicht, anders als bei der Telefonwerbung. Nach einer Rechtsprechungsübersicht der Kanzlei Plutte (Stand 10.09.2025) kann schon eine einzige unaufgeforderte Werbemail einen Unterlassungsanspruch auslösen, unabhängig vom Verschulden.
Dazu kommt die Datenschutz-Grundverordnung: Eine Adresse wie vorname@firma.de ist ein personenbezogenes Datum und braucht eine Rechtsgrundlage.
Dies ist keine Rechtsberatung; Rechtsstand 11.09.2026. Für den Einzelfall fragst du eine auf Wettbewerbsrecht spezialisierte Kanzlei. Für die Praxis folgen daraus drei Wege, die das Problem gar nicht erst entstehen lassen:
| Weg | Warum er unkritisch ist |
|---|---|
| Creator, die sich in einem Pool registriert und Anfragen zugestimmt haben | Einwilligung liegt vor |
| Öffentliche Ausschreibung, auf die sich Creator selbst bewerben | Der Erstkontakt geht vom Creator aus |
| Direktnachricht auf der Plattform, auf der der Creator Anfragen ausdrücklich erbittet | Kein E-Mail-Werbekontakt |
Genau darauf zielt der Aufbau von Creator Pool: Wer eine Ausschreibung veröffentlicht, wird von Creatorn angeschrieben statt umgekehrt. Wer lieber selbst auswählt, findet die geprüften Profile unter UGC-Creator finden.
Ein zweiter Punkt, den Marken gern übersehen: Für die Werbekennzeichnung ist zwar der Creator zuständig, die Marke steht aber nicht außerhalb. Nach § 8 Absatz 2 UWG richten sich Unterlassungs- und Beseitigungsansprüche auch gegen den Inhaber eines Unternehmens, wenn ein Beauftragter den Verstoß begeht. „Das hat der Creator falsch gemacht" ist deshalb keine belastbare Verteidigung. Schreib die Kennzeichnungspflicht ins Briefing – wie das aussieht, steht in Werbung richtig kennzeichnen.
Was muss in der Anfrage stehen, damit es später keinen Streit gibt?
Vier Punkte, und sie gehören in die erste Nachricht, nicht in den Vertrag danach: die Leistung mit Anzahl und Länge, die Nutzungsrechte mit Kanälen und Zeitraum, die Vergütung als Zahl, und die Fristen für Dreh, Abgabe und Korrekturen. Wer diese vier klärt, bevor gedreht wird, hat später keine Diskussion über Nachforderungen.
Der teuerste Streitpunkt ist regelmäßig die Nutzung – und zwar aus einem Grund, den viele Marken nicht kennen. Nach § 31 Absatz 5 des Urheberrechtsgesetzes bestimmt sich der Umfang eines Nutzungsrechts nach dem Vertragszweck, wenn die Nutzungsarten nicht ausdrücklich einzeln benannt sind. Ein pauschales „wir dürfen den Content nutzen" kauft also praktisch nichts. Einzeln zu nennen sind: Plattformen, Dauer, Gebiet, Bearbeitungsrecht und die Frage, ob das Material als bezahlte Werbeanzeige laufen darf. Wie diese vier Angaben im Briefing formuliert werden, das nach der Zusage folgt, steht in der UGC-Briefing-Vorlage.
| Angabe | Beispiel, das trägt | Formulierung, die nicht trägt |
|---|---|---|
| Plattformen | Instagram und Meta-Werbeanzeigen | „Social Media" |
| Dauer | Sechs Monate ab Abgabe | „dauerhaft" |
| Bearbeitung | Schnitt und Untertitel erlaubt | nicht erwähnt |
| Werbeanzeigen | Ja, als Meta-Anzeige | „ggf. auch beworben" |
„Wir posten das auch mal auf Facebook" ist etwas anderes als „wir schalten es sechs Monate als Werbeanzeige" – und beim Honorar ein Unterschied von Faktor zwei bis drei. Wie die Aufschläge üblicherweise aussehen, steht in Nutzungsrechte bei UGC, die Marktspannen für Honorare in Was kostet ein Influencer-Post?.
Sobald die Zusage steht, ersetzt das Briefing die Anfrage. Eine ausgefüllte Vorlage ohne Anmeldung steht in Influencer-Briefing: die Vorlage zum Kopieren. Und wenn du wissen willst, wie deine Nachricht auf der anderen Seite ankommt, lies die Gegenrichtung: Marke anschreiben als Creator.
Mit welchem Budget rechnen deutsche Unternehmen?
Deutlich kleinteiliger, als die Debatte um große Kampagnen vermuten lässt. Der Bitkom hat 2025 in einer repräsentativen Befragung von 505 Handelsunternehmen ab zehn Mitarbeitenden ermittelt: 67 dieser Unternehmen arbeiten bereits mit Influencern, sie geben im Schnitt 66.860 Euro pro Jahr aus – aber 35 Prozent von ihnen bleiben unter 10.000 Euro jährlich. Der Mittelwert wird von wenigen großen Budgets nach oben gezogen; 64 Prozent halten Erfolg auch mit kleinem Budget für möglich.
Dazu passt die Zusammensetzung der Kampagnen. Im Report „State of German Influencer Marketing 2026" (520 Befragte) entfallen 30 Prozent des Creator-Mix auf Micro- und 20 Prozent auf Nano-Creator – zusammen die Hälfte. 42 Prozent der Kooperationen sind einmalige Deals, 80 Prozent der Befragten nennen hohe Kooperationskosten als größte Hürde.
| Kennzahl | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Durchschnittsausgaben Handel, Deutschland | 66.860 Euro pro Jahr | Bitkom, 505 Unternehmen, 14.08.2025 |
| Anteil mit unter 10.000 Euro jährlich | 35 Prozent | Bitkom, 14.08.2025 |
| Anteil Micro und Nano am Creator-Mix | 50 Prozent | xpose360/BVIM, 520 Befragte, 02.03.2026 |
| Anteil einmaliger Kooperationen | 42 Prozent | xpose360/BVIM, 02.03.2026 |
Für ein kleines Unternehmen heißt das: Du bist mit einem vierstelligen Jahresbudget nicht der Ausreißer, sondern der Normalfall. Den Überblick darüber, was sich mit kleinen Budgets planen lässt, gibt Influencer-Marketing für KMU.