Immobilienmakler und Creator: was sich wirklich rechnet

Influencer-Marketing für Immobilienmakler: belegte deutsche Fälle, was ein Objektvideo kosten darf und ab welchem Kaufpreis sich welches Videobudget trägt.

Von Lukas Renner · veröffentlicht am 1. September 2026 · 11 Min. Lesezeit · für Marken

Wofür lohnt sich ein Creator bei Maklern — für Käufer oder für Objekte?

Für Objekte. Käufer sind in den meisten deutschen Lagen nicht der Engpass, verkaufsbereite Eigentümer schon. Ein Creator-Video wirkt deshalb zweimal: einmal für das gezeigte Objekt, und einmal als Arbeitsprobe gegenüber dem nächsten Eigentümer, der überlegt, wem er seinen Verkauf anvertraut. Der zweite Effekt ist der wertvollere und taucht in keiner Kampagnenauswertung auf.

Das ändert die Rechnung von Grund auf. Wer ein Video als Anzeige für ein einzelnes Objekt betrachtet, vergleicht es mit einem Inserat und findet es zu teuer. Wer es als Akquisemittel betrachtet, vergleicht es mit den Kosten, an einen neuen Alleinauftrag zu kommen — und landet bei einer ganz anderen Obergrenze. Beide Rechnungen stehen weiter unten nebeneinander.

Der Markt gibt diesem Winkel recht: Gestiegene Bauzinsen haben die Zahl der Transaktionen einbrechen lassen, viele Eigentümer verschieben den Verkauf. Objektakquise gilt in der Branche seit Jahren als die schwierigste Aufgabe im Maklergeschäft — und ist genau die Aufgabe, für die Reichweite in der eigenen Region etwas taugt.

Warum finden Makler dazu nur Agentur-Eigenwerbung?

Weil die Seiten, die Google zu diesem Suchbegriff ausspielt, fast alle von Dienstleistern stammen, die Social-Media-Betreuung verkaufen. Wir haben die Ergebnisse am 01.09.2026 geprüft: Sie beantworten die Frage „Wie mache ich als Makler Social Media?" — nicht die Frage „Was bringt mir die Zusammenarbeit mit einem fremden Creator und was darf sie kosten?" Eine Zahl dazu nennt keine dieser Seiten.

ErgebnisWas es liefertWas fehlt
marketing-guys.immobilienStrategien zur Objektakquise, LeistungsseiteKein Kooperationsmodell, keine Kosten
socialmediaone.deAgenturseite Wohnen und ImmobilienEigenwerbung, keine Fallzahlen
BOTTIMMOReichweiten-Tipps für MaklerEigene Kanäle statt fremder Creator
weareinnoit.comAgenturseite ImmobilienKeine Preisangabe, kein Fall
Haufe (01.08.2023)Branchenüberblick mit Namen und ZitatenBeschreibt Makler als Influencer, nicht die Kooperation
IHK Nord WestfalenEin konkreter FallEinzelmeldung, keine Einordnung
Was diese Seite anders macht

Weiter unten steht eine Rechnung, die es in dieser Form nirgends gibt: Objektpreis gegen Courtage gegen Videobudget — also die Antwort darauf, was ein Creator-Video bei welchem Kaufpreis kosten darf. Dazu ein Vergleich mit zwei anderen Branchen, für die wir dieselbe Rechnung bereits aufgestellt haben. Grundlage: die sechs Ergebnisse aus der Auswertung oben und die öffentlich belegten Fälle im nächsten Abschnitt.

Welche belegten Fälle gibt es in Deutschland?

Der bekannteste ist Leon Sandhowe, der als „Mr. Unreal Estate" seit Herbst 2022 Objekte für Makler inszeniert. Er ist selbst kein Makler, sondern wird von Anbietern gebucht. OMR beschrieb sein Modell im Mai 2024 mit über 200.000 Instagram-Followern und drei Einnahmequellen: Honorar für Foto- und Videomaterial, Provision bei Verkäufen und Plattform-Werbeeinnahmen. Ein Team von fünf Personen steht dahinter.

FallBeteiligteBelegte EckdatenQuelle und Datum
Historische Mühle, GroßefehnUbben Immobilien, Aurich · Mr. Unreal EstateKaufpreis 1,49 Mio. €; 5–6 Stunden Drehzeit mit Kameramann; Videokosten aus dem Umfeld auf 7.000–10.000 € geschätztNWZ Online, 18.02.2025
Objekte auf der Sentruper HöheHomann Immobilien, Münster · Mr. Unreal EstateZusammenarbeit für hochpreisige ObjektePaderZeitung, 11/2024
Makler als eigener CreatorFabian Fröhlich, 7 Plus Clubüber 100.000 Instagram-FollowerHaufe, 01.08.2023

Zwei Dinge fallen an diesen Fällen auf. Erstens: Es sind durchweg hochpreisige Objekte. Zweitens: Das Honorar wird in der einzigen Quelle, die eine Zahl nennt, mit 7.000 bis 10.000 Euro je Video angegeben — das ist die Spitze des Marktes und nicht das, was ein Maklerbüro mit Durchschnittsbestand ausgeben muss. Was ein Beitrag im gesamten deutschsprachigen Markt kostet, steht in Was kostet ein Influencer-Post?.

„Es ist schon einfach ein beeindruckendes Objekt und da habe ich sofort an Leon gedacht."
Milon Byckiewicz, Ubben Immobilien, über die Mühle in Großefehn (NWZ Online, 18.02.2025)

Ab welchem Objektpreis rechnet sich welches Videobudget?

Als Faustregel: bis zu zehn Prozent der Courtage, die auf eine Seite entfällt. Die Maklerprovision liegt in Deutschland üblicherweise zwischen 5,95 und 7,14 Prozent des Kaufpreises und wird beim Verkauf von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen an Verbraucher seit dem 23.12.2020 in der Regel hälftig geteilt — je Seite also rund 3,57 Prozent inklusive Umsatzsteuer. Daraus ergibt sich eine klare Obergrenze.

ObjektDurchschnittlicher KaufpreisCourtage je Seite (3,57 %)Videobudget bis 10 %
Eigentumswohnung, Bestand288.000 €10.282 €bis 1.028 €
Einfamilienhaus, Bestand370.000 €13.209 €bis 1.321 €
Neubauhaus570.000 €20.349 €bis 2.035 €
Mühle Großefehn (belegter Fall)1.490.000 €53.193 €bis 5.319 €

Die Preise stammen aus dem Hauspreisindex EPX von Europace, Stand September 2025; die Zahlen für Wohnimmobilien insgesamt sind laut Statistischem Bundesamt 2025 im Jahresdurchschnitt um 3,2 Prozent gestiegen.

Interessant ist die letzte Zeile. Das Video für die Mühle kostete nach der Schätzung der NWZ 7.000 bis 10.000 Euro — also 13 bis 19 Prozent der Courtage einer Seite und damit deutlich über der Faustregel. Aus dem einzelnen Verkauf trägt sich das nur knapp. Es rechnet sich erst über den zweiten Effekt: Ein Makler, der ein solches Video vorweisen kann, gewinnt den nächsten Alleinauftrag leichter. Genau deshalb steht am Anfang dieses Artikels, dass Objekte und nicht Käufer der Engpass sind.

Für ein normales Maklerbüro heißt das: Bei einem durchschnittlichen Bestandshaus sind rund 1.300 Euro je Video die Obergrenze, und in diesem Bereich arbeiten lokale Micro- und Nano-Creator, keine bundesweiten Immobilien-Influencer.

Wie schneidet die Maklerbranche im Vergleich zu Restaurant und Fitnessstudio ab?

Deutlich besser als beide, und der Abstand ist groß. Wir haben dieselbe Rechnung schon für zwei andere Branchen aufgestellt. Setzt man einheitlich ein Kooperationsbudget von 400 Euro an, zeigt sich, wie unterschiedlich schnell sich eine Zusammenarbeit trägt — und warum ausgerechnet Makler bisher am wenigsten damit arbeiten.

BrancheWas ein gewonnener Kunde einbringtWovon 400 € gedeckt sind
RestaurantDeckungsbeitrag je Gast nach Wareneinsatzrund 20 zusätzliche Gäste
Fitnessstudio597,36 € Nettoumsatz je Neumitglied über 12 Monateein einziges Neumitglied
Immobilienmakler13.209 € Courtage je Seite beim Durchschnittshaus3 Prozent einer einzigen Vermittlung

Die Herleitungen stehen in den jeweiligen Artikeln: die Gästerechnung in Influencer für ein Restaurant finden, die Mitgliederrechnung in Fitnessstudio und Influencer. Für Handwerksbetriebe haben wir denselben Vergleich gegen Stellenanzeigen gerechnet, weil dort der Engpass Bewerber und nicht Kunden sind — nachzulesen in Influencer-Marketing im Handwerk.

Der Grund für den Abstand ist nicht Marketing, sondern Struktur: Ein Maklerabschluss ist ein einzelner Vorgang mit vier- bis fünfstelligem Ertrag, ein Restaurantbesuch ein Vorgang mit einstelligem Deckungsbeitrag. Wo ein Abschluss so viel wert ist, ist selbst eine Kooperation mit magerer Wirkung schwer zu verlieren.

Welche Creator passen zu einem lokalen Maklerbüro?

Nicht die mit der größten Reichweite, sondern die mit der passenden. Ein bundesweiter Immobilien-Kanal bringt Aufrufe aus ganz Deutschland — Eigentümer im eigenen Landkreis erreicht er kaum. Für Objektakquise zählt regionale Überschneidung, für einzelne Luxusobjekte zählt Reichweite. Beides gleichzeitig gibt es selten, und man muss sich vorher entscheiden.

Creator-TypWofür geeignetRealistische Größenordnung
Regionaler Alltagskanal (Stadt, Landkreis)Objektakquise, Bekanntheit bei Eigentümern2.000–20.000 Follower
Einrichtungs- und RenovierungskanalObjekte mit Sanierungsbedarf, Erstkäufer5.000–50.000 Follower
Finanz- und BaufinanzierungskanalKäufergewinnung, Erstkäufer10.000–100.000 Follower
Bundesweiter Immobilien-KanalEinzelne hochpreisige Objekteab 100.000 Follower
UGC-Creator ohne eigene ReichweiteVideomaterial für eigene AnzeigenReichweite spielt keine Rolle

Die letzte Zeile wird von Maklern am häufigsten übersehen und ist oft die wirtschaftlichste: Ein UGC-Creator dreht das Material, das Büro schaltet es selbst als Anzeige mit eigener Zielgruppen-Einstellung auf den eigenen Landkreis. So bekommt man regionale Ausspielung ohne fremde Reichweite. Wie man geeignete Profile in der eigenen Stadt findet, steht in Lokale Influencer finden; den Überblick gibt die Seite Micro-Influencer finden.

Was muss vor dem Dreh geklärt sein?

Drei Dinge, und alle drei gehören schriftlich in den Auftrag: das Einverständnis des Eigentümers zur Veröffentlichung von Innenaufnahmen, die Werbekennzeichnung und die Nutzungsrechte am Material. Innenaufnahmen einer bewohnten Immobilie zeigen private Lebensumstände — ohne ausdrückliche Zustimmung des Eigentümers und, bei vermieteten Objekten, der Mieter geht das nicht.

Bei der Kennzeichnung gilt dieselbe Regel wie überall: Von den Medienanstalten sind ausschließlich „Werbung" und „Anzeige" uneingeschränkt anerkannt; „Sponsored by", „Kooperation" oder „Ad" genügen nicht. Der Leitfaden „Werbekennzeichnung bei Online-Medien" wurde zuletzt im Mai 2025 aktualisiert und gilt bundesweit einheitlich. Rechtsstand dieses Abschnitts: 01.09.2026, keine Rechtsberatung — die Einzelheiten stehen in Werbung richtig kennzeichnen.

Beim dritten Punkt scheitern die meisten Kooperationen im Nachhinein: Wenn das Video später als Anzeige laufen oder auf der eigenen Website stehen soll, müssen die Nutzungsrechte dafür ausdrücklich eingekauft sein. Ohne diese Klausel darf das Material nur dort stehen, wo der Creator es veröffentlicht hat.

Was tun, wenn kein Luxusobjekt im Bestand ist?

Dann dreht man nicht das Objekt, sondern den Ort und den Vorgang. Ein Video über die Frage „Was ist mein Haus in dieser Straße wert?" erreicht genau die Eigentümer, die man akquirieren will — und braucht kein Vorzeigeobjekt. Das ist die naheliegende, aber selten genutzte Variante, weil sie das Muster der bekannten Immobilien-Kanäle verlässt.

Drei Formate, die ohne besonderes Objekt funktionieren: eine Ortsrundfahrt mit Preisniveau je Stadtteil, die Begleitung eines Verkaufs vom Erstgespräch bis zur Übergabe, und die ehrliche Aufstellung, was am Verkauf ohne Makler schiefgeht. Alle drei sind Akquisevideos, keine Objektanzeigen — und für alle drei genügt ein regionaler Creator im Budgetrahmen aus der Tabelle oben.

Passende Creator im eigenen Landkreis

Der Engpass ist selten das Budget, sondern die Suche: 70 Prozent der Marken nennen laut *State of German Influencer Marketing Report 2026* (n = 520) das Finden passender Creator als größte Schwierigkeit. Im Creator Pool lässt sich nach Ort, Nische und Größe filtern — also genau nach den regionalen Profilen, auf die es bei Maklern ankommt.

FAQ

Häufige Fragen

Lohnt sich Influencer-Marketing für ein kleines Maklerbüro überhaupt?

Ja, aber nicht als Objektwerbung. Bei einer Courtage von rund 13.200 Euro je Seite beim Durchschnittshaus trägt sich schon ein einzelner zusätzlicher Auftrag über Jahre. Der Nutzen liegt in der Sichtbarkeit bei Eigentümern, nicht in Anfragen von Kaufinteressenten.

Was kostet ein Objektvideo mit einem Creator?

Für einen regionalen Micro-Creator liegt der übliche Rahmen deutlich unter der Obergrenze aus der Tabelle oben, also unter etwa 1.300 Euro beim Durchschnittsobjekt. Für den bekanntesten deutschen Immobilien-Influencer nennt die NWZ 7.000 bis 10.000 Euro je Video.

Brauche ich die Erlaubnis des Eigentümers für Innenaufnahmen?

Ja, ausdrücklich und am besten schriftlich. Bei vermieteten Objekten zusätzlich die der Mieter. Das gilt unabhängig davon, ob das Video vom Makler oder von einem beauftragten Creator veröffentlicht wird.

Muss ein Kooperationsvideo als Werbung gekennzeichnet werden?

Ja, sobald eine Gegenleistung geflossen ist. Nur „Werbung" und „Anzeige" sind uneingeschränkt anerkannt. Bei Story-Formaten muss jede einzelne Karte gekennzeichnet sein, nicht nur die erste.

Ist es besser, selbst als Makler Reichweite aufzubauen?

Beides schließt sich nicht aus, dauert aber unterschiedlich lang. Ein eigener Kanal braucht Monate bis Jahre; eine Kooperation liefert Reichweite ab dem Veröffentlichungstag. Für die Akquise in einem konkreten Jahr ist die Kooperation der schnellere Weg.

Darf ich das Video anschließend als Anzeige schalten?

Nur wenn die Nutzungsrechte dafür im Auftrag stehen. Ohne diese Vereinbarung darfst du es weder auf der eigenen Website noch als bezahlte Anzeige einsetzen. Kläre das vor dem Dreh, nicht danach.

Wie messe ich, ob sich das gelohnt hat?

Über eine eigene Landeseite je Kooperation und die Frage im Erstgespräch, woher der Kontakt kommt. Aufrufe allein sagen bei Maklern wenig aus, weil zwischen Video und Auftrag Monate liegen können.

Funktioniert das auch bei Vermietung statt Verkauf?

Kaum. Bei Vermietung ist die Provision niedriger und die Nachfrage in den meisten Lagen ohnehin größer als das Angebot. Die Rechnung oben trägt nur beim Verkauf.

Quellen

Über den Autor
Lukas Renner
Geschäftsführer [mediarenner] · Gründer Creator Pool

Lukas Renner führt die Social-Media-Agentur [mediarenner] und betreibt Creator Pool. Er verantwortet seit Jahren Werbekonten bei Meta, Google und LinkedIn für kleine und mittelständische Unternehmen und verhandelt laufend Kooperationen zwischen Marken und Creatorn.

Von der Theorie in die Praxis

Creator Pool bringt Marken und geprüfte Nano- & Mikro-Creator aus DACH direkt zusammen. Der Test-Zugang ist kostenlos und läuft nicht ab.